Deutsche Börse verstärkt Werben um Euro-Clearing

Die Deutsche Börse wirbt im Ringen um das bisher noch in London angesiedelte Euro-Clearing mit einer Gewinnbeteiligung für Grosskunden. Die zehn aktivsten Kunden sollen mit einem bedeutenden Anteil am wirtschaftlichen Erfolg des Dax-Konzerns bei der Abwicklung der Zinsswaps beteiligt werden, wie der Frankfurter Börsenbetreiber am Montag mitteilte.
09.10.2017 17:12

Mit ihrem Partnerschaftsprogramm folgt die Deutsche Börse dem Beispiel der Londoner Börse LSE, die das Geschäft, bei dem sich Unternehmen gegen Zinsänderungsrisiken absichern, bisher dominiert.

Die Deutsche Börse hofft, im Zuge des Brexit einen bedeutenden Teil des billionenschweren Derivate-Marktes abzuwerben. Neben einer Erfolgsbeteiligung sollen die zehn aktivsten Teilnehmer des Programms in die Gremien der zuständigen Deutsche-Börse-Tochter Eurex Clearing eingebunden werden.

Bank of America Merrill Lynch, Citigroup, Commerzbank, Deutsche Bank, J.P. Morgan und Morgan Stanley hätten bereits Interesse an einer Teilnahme gezeigt, erklärte die Börse. Der Grossteil aller in Euro gehandelten Zinsswaps werde in London abgewickelt. Die Deutsche Börse spielt nur eine Nischenrolle, hofft aber im Zuge des Brexit auf zusätzliches Geschäft.

Die EU-Kommission hatte im Juni einen Gesetzentwurf vorgestellt, wonach Derivate-Geschäfte in Euro künftig in der EU abgewickelt werden müssen, wenn das Clearing-Haus systemrelevant ist, also eine Schlüsselrolle für das Finanzsystem spielt. "Mit dem heute vorgestellten Partnerschaftsprogramm wirft die Eurex Clearing nun sehr deutlich ihren Hut in den Ring", sagte der hessische Finanzminister Thomas Schäfer.

Neues Angebot verspricht mehr Wettbewerb

Clearing-Häuser stehen im Handel zwischen Käufer und Verkäufer und springen ein, wenn einer der Handelspartner ausfällt. Damit sorgen sie für Transparenz und Sicherheit des Finanzsystems. Mit dem Partnerschaftsprogramm solle die Entwicklung eines alternativen Angebots für das Clearing von Zinsswaps in der Europäischen Union beschleunigt werden, erklärte die Deutsche Börse.

In London hängen zehntausende Jobs vom Euro-Clearinggeschäft ab. Branchenverbände warnen, dass eine Zersplitterung des Euro-Clearing hohe Kosten für die Kunden verursachen würde und die Banken mehrere Milliarden Euro für zusätzliche Sicherheiten beiseite legen müssten.

Eurex hat solche Argumente wiederholt zurückgewiesen. "Die überwiegende Mehrheit unserer Kunden bevorzugt mehr Auswahl, höhere Transparenz und stärkere Risikostreuung", sagte Börsenchef Carsten Kengeter in einem im Intranet des Konzerns veröffentlichten Interview, das Reuters einsehen konnte.

Anders als bei der Eurex haben die Banken bei der Londoner Konkurrenz bereits heute ein gewichtiges Wort mitzureden. Sie besitzen einen hohen Minderheitsanteil an der LSE-Tochter LCH.Clearnet und haben dort einen starken Einfluss auf das Geschäft.

(AWP)