Deutsche Börse hat Zustimmung der Aktionäre zu Fusion fast sicher

(Meldung ausgebaut)
13.07.2016 18:52

FRANKFURT (awp international) - Die Deutsche Börse hat die Zustimmung ihrer Aktionäre zur Fusion mit der Londoner Börse LSE fast sicher. Bis Mittwochmittag hätten 53 Prozent der Anteilseigner das Angebot zum Umtausch ihrer Papiere in Aktien des künftigen Unternehmens angenommen, teilte die Deutsche Börse mit. Damit ist die Mindestannahmequote von 60 Prozent nahe. Am Montag hatte die Börse die Schwelle von 75 Prozent gesenkt und die Angebotsfrist um zwei Wochen verlängert.

Nun dürften auch die Indexfonds ihre Anteile umtauschen, sagte ein Sprecher. Sie halten rund 15 Prozent der Aktien der Deutschen Börse. Aus technischen Gründen dürfen viele ihre Papiere erst tauschen, wenn die Marke von 50 Prozent überschritten ist. Die Börse rechnet damit, dass die Indexfonds, die etwa den Dax nachbilden, in den nächsten Tagen ihre Papiere umtauschen und dann die 60-Prozent-Schwelle überschritten wird.

Damit könnte die Börse den Zusammenschluss mit der London Stock Exchange weiter vorantreiben. In der vergangenen Woche hatten die Aktionäre der LSE bei einer ausserordentlichen Hauptversammlung mit 99,9 Prozent für die Fusion gestimmt. Als viel grösseres Hindernis als das grüne Licht durch die Aktionäre gilt aber die Zustimmung zahlreicher Aufsichtsbehörden. Die EU-Wettbewerbshüter müssen ebenso zustimmen wie die im hessischen Wirtschaftsministerium angesiedelte Aufsicht für die Frankfurter Wertpapierbörse.

Unterstützung für ihre Fusionspläne erhielt die Börse von der Bundesbank. "Das Ergebnis des Referendums hat die ökonomischen Logik für den Zusammenschluss sogar noch verstärkt", sagte Vorstand Andreas Dombret am Mittwoch in Frankfurt. Die Fusion könne eine Brücke zwischen der EU und Grossbritannien sein und solche Verbindungen würden nach einem britischen EU-Austritt wichtiger. Zugleich forderte Dombret, dass die bisherigen Bedingungen für den Zusammenschluss geändert werden. "Die beiden Seiten müssen jetzt eine angemessene Struktur finden, die alle Interessen berücksichtigt, auch wenn dies zu Lasten der erhofften Synergien geht."

Mit dem britischen Votum für einen EU-Austritt haben sich die Rahmenbedingungen für die im März ausgehandelte Fusion der beiden Börsenbetreiber verändert. London als bislang vorgesehener rechtlicher Hauptsitz des fusionierten Konzerns ist kaum noch vorstellbar. Als Kompromiss hat Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter inzwischen eine doppelte Holding oder einen Sitz an einem neutralen Ort in der EU, etwa Amsterdam, ins Spiel gebracht. Dazu fehlt aber bislang ein Bekenntnis aus London. Die Regierung des bisherigen Premiers David Cameron hatte bisher die britische Hauptstadt als Sitz der Konzernholding zur Bedingung gemacht.

Kritiker zweifeln zudem, ob sich der Deal für die Deutsche Börse noch lohnt. Nach dem Absturz des Britischen Pfunds und dem Rückgang des Aktienkurses infolge des Referendums hat die LSE deutlich stärker an Wert verloren als die Deutsche Börse. An dem ausgehandelten Machtverhältnis soll sich dennoch nichts mehr ändern. Festgelegt ist, dass die Deutsche Börse künftig gut 54 Prozent an dem gemeinsamen Konzern halten soll. Die Konzerne werben unter anderem mit Kosten- und Umsatzvorteilen von rund 700 Millionen Euro für den Zusammenschluss./enl/he

(AWP)