Deutsche Börse will mit neuem Marktsegment mehr Unternehmen an die Börse locken

Kleinen und mittelständischen Unternehmen steht ein neuer Weg an die Kapitalmärkte offen. Mit dem neuen Segment "Scale", das den Entry Standard für Aktien und Unternehmensanleihen ersetzt, richtet sich die Deutsche Börse explizit an die sogenannten KMU. Zur Zielgruppe gehören damit nicht etwa Startups, sondern Unternehmen mit Geschäftsmodellen, die sich auch bei Investoren bereits bewährt haben.
01.03.2017 14:04

"Als Börsenbetreiber ist es unsere Pflicht, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Unternehmen ihre Wachstumsziele erreichen", sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse, Carsten Kengeter, am Mittwoch bei der Vorstellung auf dem Frankfurter Börsenparkett. Durch das neue Segment sollen letztlich mehr Unternehmen den Weg an die Börse finden.

Zum Start notieren 46 Aktien und Unternehmensanleihen in "Scale". Weitere sollen folgen. Das Spektrum reicht vom Häuslebauer Helma Eigenheimbau, über den IT-Dienstleister Datagroup bis zum Oberflächenspezialisten Nanogate.

Für eine Aufnahme in das neue Segment muss ein Unternehmen eine gewisse Grösse haben. Zudem wird es auf die Eignung für das Segment geprüft und auch nach dem Börsengang betreut. Mit diesen Vorschriften will die Deutsche Börse zum einen Fehlentwicklungen verhindern, die Anfang der 2000-er Jahre zum Zusammenbruch des "Neuen Marktes", eines Börsensegments für Technologie-Werte, geführt hatten.

Zudem reagiert das Unternehmen damit ebenso wie andere Börsenbetreiber hierzulande auf den Vertrauensverlust, den das bislang wenig regulierte Geschäft mit sogenannten "Mittelstandsanleihen" zuletzt erlitten hatte. Mehrere Pleiten hatten den Markt für Anleihen mittelständischer Unternehmen in Verruf gebracht.

Insofern begrüsste Analyst Sebastian Zank von der Ratingagentur Scope die Einführung restriktiver quantitativer Mindestkriterien für neue Emissionen. Damit könnte das Anlegervertrauen teilweise zurückgewonnen werden./la/mis

(AWP)