Deutsche Industrie fährt weniger Aufträge ein - Schwäche im Fahrzeugbau

(Ausführliche Fassung)
05.08.2016 10:05

WIESBADEN (awp international) - Die deutsche Industrie hat im Juni überraschend weniger Aufträge bekommen als zuletzt. Wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte, lag der Auftragseingang um 0,4 Prozent niedriger als im Vormonat. Experten sehen in den Zahlen einen Dämpfer, vor allem im Fahrzeugbau schwächelte teilweise die Nachfrage. Alarmierend seien die Zahlen insgesamt jedoch nicht. Es bleibe abzuwarten, wie stark das Brexit-Votum die deutsche Wirtschaft treffe.

Statt eines Rückgangs der Aufträge hatten Bankvolkswirte einen Zuwachs um 0,5 Prozent erwartet. Einzig positiv: Die zuvor gemeldete Stagnation im Mai revidierte das Statistikamt leicht nach oben. Demnach gab es einen Zuwachs um 0,1 Prozent.

Experten sehen in den Zahlen zwar ein Schwächesignal, aber keinen Anlass für allzu viel Pessimismus. "Ausschlaggebend für das Minus war ein Rückgang der immer sehr volatilen Bestellungen im Bereich 'sonstiger Fahrzeugbau'", kommentierte Ralph Solveen, Experte bei der Commerzbank. "Ohne diesen Effekt wären die Bestellungen leicht gestiegen." Allerdings gebe es bereits seit Jahresbeginn insgesamt eine eher schwache Entwicklung bei den Aufträgen.

Einzelne Monatsdaten zu den Aufträgen sind mit Vorsicht zu interpretieren, weil sie üblicherweise stark schwanken. Beispielsweise war im März ein Zuwachs um 2,6 Prozent verzeichnet worden und im April ein Rückgang um 1,9 Prozent.

Angesichts der hohen Schwankungsbreite der Auftragseingänge sei es viel zu früh, die Krise auszurufen, meint Stefan Grosse, Experte bei der Landesbank Nord/LB. Vieles deute darauf hin, dass die Eurozone den Brexit-Schock bislang glimpflich übersteht.

Die Aussichten für die deutsche Industrie seien insgesamt gar nicht so schlecht, sagt Stefan Kipar, Experte bei der Bayerischen Landesbank. "Die Binnenkonjunktur bleibt der Stützpfeiler des Aufschwungs und macht diesen widerstandsfähiger gegenüber aussenwirtschaftlichen Einflüssen als üblich." Das zeigte sich am Freitag auch an den Daten: Die Aufträge aus dem Inland legten um 0,7 Prozent zu.

Nach Regionen betrachtet ist die schwache Nachfrage auf sinkende Aufträge aus Ländern der Eurozone zurückzuführen. Hier lag der Rückgang bei 8,5 Prozent. Das restliche Ausland fragte dagegen mehr nach als zuletzt. Hier lag der Zuwachs bei 3,8 Prozent.

Nach Gütergruppen betrachtet gingen die Bestellungen vor allem bei Konsum- und Vorleistungsgütern zurück. Auch bei den Investitionsgütern waren sie rückläufig, allerdings weniger stark./tos/jkr/fbr

(AWP)