Deutsche Industrie weiter im Abwärtstrend

(Ausführliche Fassung) - Die deutsche Industrie hat beim Auftragseingang erneut einen Dämpfer erhalten was die Aussicht auf ein Abrutschen der grössten europäischen Volkswirtschaft in die Rezession verstärkte. In den Industriebetrieben seien die Bestellungen im Vergleich zum Vormonat um 0,6 Prozent zurückgegangen, teilte das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mit. Analysten hatten im Mittel nur einen Rückgang um 0,3 Prozent erwartet. Es war der zweite Rückgang in Folge und der mittlerweile fünfte Dämpfer im laufenden Jahr.
07.10.2019 09:32

Neben den Auftragseingängen deuten auch wichtige Stimmungsindikatoren darauf hin, dass der Abwärtstrend in der deutschen Industrie anhält. Experten verwiesen auf die Konjunkturerwartungen des Ifo-Instituts und auf schwache Umfrageergebnisse zur Stimmung der Einkaufsmanager in deutschen Industriebetrieben. "Für das dritte Quartal zeichnet sich eine technische Rezession ab, und auch zum Jahresende hin ist wohl kaum mit einer nennenswerten Beschleunigung der Wirtschaftsleistung zu rechnen", kommentierte Experte Marco Wagner von der Commerzbank die jüngste Entwicklung.

Allerdings war der Rückgang bei den Industrieaufträgen im Juli nicht so stark ausgefallen wie zuvor gemeldet. Das Bundesamt revidierte den Dämpfer auf nur noch 2,1 Prozent, nachdem zunächst ein Rückgang im Monatsvergleich um 2,7 Prozent gemeldet worden war.

Ausserdem hat sich der Auftragseingang aus dem Ausland im August verbessert. Hier meldete das Bundesamt im Monatsvergleich einen Anstieg um 0,9 Prozent. Bei den Ordereingängen aus Ländern der Eurozone gab es demnach einen Zuwachs um 1,5 Prozent, während die Auftragseingänge aus dem restlichen Ausland um 0,4 Prozent im Monatsvergleich gestiegen waren. Zuletzt hatte die deutsche Exportwirtschaft unter den Folgen internationaler Handelskonflikte zu leiden.

Einen deutlichen Rückgang beim Auftragseingang gab es aber im Jahresvergleich. In dieser Betrachtung sanken die Industrieaufträge im August um 6,7 Prozent und damit stärker als erwartet.

"Nach dem zweiten Quartal dürfte auch das dritte Quartal höchstwahrscheinlich einen leichten Rückgang der Wirtschaftsleistung bringen", kommentierte Chefvolkswirt Uwe Burkert von der Landesbank Baden-Württemberg die Auftragsdaten. Mit zwei Quartalen einer schrumpfenden Wirtschaftsleistung in Folge würde Deutschland in eine sogenannte technische Rezession rutschen./jkr/jha/

(AWP)