Deutsche Industrieaufträge starten schwach ins dritte Quartal

(Ausführliche Fassung)
06.09.2016 09:51

WIESBADEN (awp international) - Der Anstieg der deutschen Industrieaufträge ist im Juli hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Zudem beruht der Zuwachs vor allem auf schwankungsanfälligen Grossaufträgen. Dies geht aus Daten des Statistischen Bundesamtes vom Dienstag hervor. Ökonomen zeigten sich eher zurückhaltend mit Blick auf die weitere Entwicklung in der Industrie in den kommenden Monaten.

Im Juli erhielt die Industrie saison- und arbeitstäglich bereinigt 0,2 Prozent mehr Aufträge als im Juni. Analysten hatten im Mittel einen Zuwachs um 0,5 Prozent erwartet. Der Rückgang im Vormonat Juni wurde von 0,4 auf 0,3 Prozent korrigiert. Im Jahresvergleich sank die Produktion im Juli um 0,7 Prozent, nachdem sie im Juni um 3,0 Prozent gefallen war.

Belastet wurde das Gesamtergebnis im Juli durch die schwache Inlandsnachfrage, die um 3,0 Prozent zum Vormonat zurückging. Dagegen kamen aus dem Ausland 2,5 Prozent mehr Aufträge. Vor allem Länder des Euroraums steigerten ihre Nachfrage. Nach Produktkategorien fielen die Bestellungen von Konsumgütern deutlich zurück, während Investitionsgüter etwas mehr bestellt wurden als im Vormonat.

Der Anstieg der Aufträge ist aber vor allem auf Grossaufträge zurückzuführen. Commerzbank-Analyst Ralph Solveen verweist hier auf eine Luftfahrtmesse, die zu zusätzlichen Aufträgen geführt habe. Der Auftragseingang ohne Grossaufträge lag laut Statistischem Bundesamt um 1,3 Prozent niedriger als im Vormonat. "Damit ist die Industrie schwach ins dritte Quartal gestartet", so Solveen. Die Industrie bleibe damit eine "Konjunkturbremse". Er erwartet auch keine baldige Besserung, da der Gegenwind von der schwächelnden Weltwirtschaft zu stark sei. Zudem lasse der unterstützende Rückenwind des schwächeren Euro nach.

Die Entscheidung der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union hat sich nach Einschätzung der BayernLB nicht negativ niedergeschlagen. "Bislang ist kein Brexit-Effekt in den Daten zu erkennen, denn die Bestellungen aus dem Nicht-Euro-Ausland waren auch im Monat nach dem Brexit-Votum leicht aufwärts gerichtet." Dennoch würden die Daten darauf hinweisen, dass die Konjunkturdynamik in Deutschland im Sommer kaum das hohe Tempo aus dem ersten Halbjahr halten werde.

Der Eurokurs legte nach den Daten etwas zu. Ansonsten spielten die Daten an den Finanzmärkten offenbar keine grosse Rolle. An diesem Mittwoch werden die Zahlen zur Produktion im Verarbeitenden Gewerbe im Juli veröffentlicht./jsl/bgf/stb

(AWP)