Deutsche Industrieschwäche setzt sich fort

(Ausführliche Fassung) - Die weltweiten Handelskonflikte belasten die deutsche Industrie zunehmend. Zu Beginn der zweiten Jahreshälfte gingen die Bestellungen noch stärker zurück als ohnehin befürchtet. Das Auftragsvolumen sei im Juli im Vergleich zum Vorjahr um 5,6 Prozent zurückgegangen, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit. Damit beschleunigte sich der Rückgang im Vergleich zum Juni und fiel zudem stärker aus als Experten erwartet hatten.
05.09.2019 10:15

Die Auftragseingänge seien schwach ins dritte Quartal gestartet, kommentierte das Bundeswirtschaftsministerium. Angesichts der weiter schwelenden internationalen Handelskonflikte und der zurückhaltenden Geschäftserwartungen zeichne sich für die kommenden Monate keine grundlegende Besserung der Industriekonjunktur ab.

Schwach entwickelten sich im Juli die Auslandsbestellungen, speziell von ausserhalb der Eurozone. Die Inlandsnachfrage gab auch nach, aber nicht so stark. Für Verzerrung sorgten abermals Grossaufträge: Während sie im Juni die Auftragslage stützten, belasteten sie das Gesamtergebnis im Juli.

Bankökonomen äusserten sich ernüchtert. "Die Misere im verarbeitenden Gewerbe setzt sich fort", resümierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank. Die Entwicklung erhöhe die Rezessionswahrscheinlichkeit für die deutsche Volkswirtschaft erheblich. Carsten Brzeski, Chefökonom der Direktbank ING Deutschland, bewertet die Lage ähnlich.

Von einer Rezession sprechen Ökonomen, wenn die Gesamtwirtschaft zwei Quartale in Folge schrumpft. Nach einem leichten Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal könnte Deutschland also in den Sommermonaten in eine milde Rezession gefallen sein.

Wegen der Wachstumsschwäche wird auf der politischen Bühne bereits seit längerem über konjunkturelle Stützungsmassnahmen diskutiert. Weil die Konjunkturschwäche weite Teile des Euroraums erfasst hat, wird von der Europäischen Zentralbank (EZB) eine zusätzliche Lockerung ihrer Geldpolitik erwartet.

Weiteren Aufschluss über die Lage der Industrie liefern die am Freitag anstehenden Daten zur Produktion im Juli. Hier erwarten die Experten auf Jahresbasis einen Rückgang um knapp vier Prozent - das wäre aber immerhin etwas weniger als noch im Juni./bgf/zb/mis

(AWP)