Deutsche Post erhöht Dividende nach Rekordgewinn kräftig

(Ausführliche Fassung) - Die Deutsche Post packt nach einem Paketrekord und Spitzengewinn das Füllhorn für ihre Aktionäre aus. Angesichts des höchsten Ergebnisses seit dem Verkauf der Postbank soll die Dividende für das Jahr 2016 um fast ein Viertel auf 1,05 Euro steigen, wie Vorstandschef Frank Appel am Mittwoch in Bonn ankündigte. 2016 erholte sich die Post von den Einschlägen des Vorjahres, als ein Streik in Deutschland und ein Software-Desaster in der Frachtsparte den Gewinn hatten einbrechen lassen. 2017 soll es nun weiter aufwärts gehen - aber nicht so stark wie mittelfristig erhofft.
08.03.2017 09:20

Am Finanzmarkt sorgten die Nachrichten dennoch nicht für Euphorie. Zum Handelsstart in Frankfurt verlor die Post-Aktie gut 2,2 Prozent an Wert und war damit schlechtester Wert im Dax. Allerdings hatte das Papier in den vergangenen zwölf Monaten als einer der stärksten Werte im Index mehr als 40 Prozent an Wert gewonnen. Ein Händler an der Börse rechnete daher damit, dass Anleger nach der Bilanzvorlage Kursgewinne mitnehmen.

HOHE DIVIDENDE ÜBERRASCHT

Unter dem Strich verdiente die Post im abgelaufenen Jahr gut 2,6 Milliarden Euro und damit 71 Prozent mehr als im Problemjahr 2015. Das operative Ergebnis (Ebit) legte um 45 Prozent auf knapp 3,5 Milliarden Euro zu. Damit blieb das Ergebnis im unteren Bereich der vom Vorstand ausgegebenen Zielspanne, traf aber grob die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten. Mit der Dividende gab sich die Post zudem grosszügiger als von Branchenexperten erwartet.

Dabei trieb der boomende Online-Handel das Geschäft der Post 2016 weiter an. In Deutschland beförderte der Konzern mehr als 1,2 Milliarden Pakete und damit so viele wie nie zuvor. Zwar ging der Umsatz konzernweit um drei Prozent auf 57,3 Milliarden Euro zurück. Das lag aber an Währungseffekten, geringeren Treibstoffzuschlägen und einer veränderten Bilanzierung.

BESCHEIDENES ZIEL FÜR 2017

Für 2017 gab sich Post-Chef Appel zuversichtlich. So soll der operative Gewinn um etwa 7,4 Prozent auf 3,75 Milliarden Euro zulegen. Damit bliebe die Post jedoch hinter ihrem mittelfristigen Ziel zurück, demzufolge der operative Gewinn jedes Jahr im Schnitt um mehr als 8 Prozent steigen - und im Jahr 2020 knapp 5 Milliarden Euro erreichen soll. Appel hielt an seinem Mittelfrist-Ziel dennoch fest. Die Post sei nicht nur auf bestem Wege, weiterhin von dem boomenden Online-Handel zu profitieren. Sie habe auch beste Aussichten, profitabel zu wachsen.

Dabei setzt die Post immer stärker auf das Geschäft im Ausland. So stellt der Konzern nach und nach in immer mehr europäischen Ländern Pakete auch an Privatkunden zu. Die Kernsparte PeP, in der vor allem das deutsche Briefgeschäft und das Paketgeschäft auf dem Heimatmarkt und anderen Ländern gebündelt sind, verdiente diesmal operativ gut 1,4 Milliarden Euro und damit 31 Prozent mehr als im vom teuren Streik belasteten Vorjahr.

DHL EXPRESS LEGT WEITER ZU

Zudem baute die Gewinnbringer-Sparte DHL Express ihr Geschäft mit den lukrativen zeitkritischen Sendungen weiter aus und wurde 2016 erneut profitabler. So blieben von jedem umgesetzten Euro diesmal 11 Cent als operativer Gewinn beim Konzern hängen, mehr als die 10,8 Cent im Vorjahr. Insgesamt brachten die DHL-Sparten dem Konzern 2,4 Milliarden Euro operativen Gewinn ein.

Neben der Steigerung bei DHL Express trug dazu die Erholung in der Lieferkettenlogistik und im Frachtgeschäft bei. Die Sparte, die ihre Systeme nach der geplatzten Software-Umstellung von 2015 nun in kleineren Schritten umbaut, schaffte es zurück in schwarzen Zahlen. Appel zeigte sich optimistisch, dass das neue Konzept Früchte trägt. Bis die Lücke zu den Wettbewerbern geschlossen sei, werde es aber ein paar Jahre dauern./stw/stk

(AWP)