Deutsche Post legt Gewinnsprung hin - Ausstieg aus Fernbusgeschäft

(Neu: Kartellamt zu Postbus-Verkauf, Aktienkurs, Analystenstimme)
03.08.2016 12:02

BONN (awp international) - Der wachsende Online-Handel und ein starkes Express-Geschäft haben der Deutschen Post ein Jahr nach dem grossen Streik einen kräftigen Gewinnsprung beschert. Vorstandschef Frank Appel sieht den Konzern nach dem Problemjahr 2015 auf Kurs zur geplanten Gewinnsteigerung im laufenden Jahr. Zudem beendet der Vorstand seine Fernbus-Ambitionen und räumt dabei mit einem mutmasslichen Verlustbringer auf. Das 2013 gestartete Postbus-Geschäft geht für einen geheimen Kaufpreis an den Marktführer Flixbus, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte.

An der Börse wurden die Nachrichten mit Wohlwollen aufgenommen. Am späten Vormittag war die Post-Aktie mit einem Kursplus von 2,83 Prozent Spitzenreiter im Dax und erreichte dabei den höchsten Stand seit Anfang Dezember. Analyst Chris Burger von der Baader Bank schrieb von starken Resultaten im abgelaufenen Jahresviertel. Sein Kollege Adrian Pehl von der Commerzbank sah zudem Fortschritte in der Frachtsparte.

BESSER ALS ERWARTET

Unter dem Strich verdiente die Post im zweiten Quartal 541 Millionen Euro und damit rund zwei Drittel mehr als ein Jahr zuvor. Der Umsatz ging zwar wegen ungünstiger Währungskurse, niedrigerer Treibstoffzuschläge und der in einem Teilbereich geänderten Bilanzierung um 3,5 Prozent auf 14,2 Milliarden Euro zurück. Das operative Ergebnis (Ebit) legte jedoch um 40 Prozent auf 752 Millionen Euro zu und übertraf damit die Erwartungen von Analysten.

Dass die Steigerung so deutlich ausfiel, liegt auch an dem schwachen Ergebnis aus dem Vorjahreszeitraum. Da hatte der wochenlange Streik der Beschäftigten in Deutschland den Konzern rund 100 Millionen Euro gekostet - und der Vorstand musste daraufhin sogar sein Gewinnziel für 2015 kappen. Nun kam dem Konzern neben Effizienzgewinnen auch das Anfang 2016 erhöhte Briefporto zugute. Bis auf das Geschäft mit der Lieferkettenlogistik warfen allerdings alle Bereiche mehr ab als im Vorjahreszeitraum.

JAHRESZIELE BESTÄTIGT

"Wir sind nach dem stärksten zweiten Quartal in unserer Unternehmensgeschichte auf dem besten Weg, unsere Ziele zu erreichen", sagte Post-Chef Appel. Für das laufende Jahr peilt er weiterhin einen operativen Gewinn von 3,4 bis 3,7 Milliarden Euro an. Bis Ende des Jahrzehnts sollen es mindestens rund 5 Milliarden Euro sein.

Um das zu erreichen, baut der Vorstand auf das wachsende Paketgeschäft und die Tochter DHL Express. Während die Menge der Briefe auf dem Heimatmarkt seit Jahren zurückgeht, beschert der Versandhandel über das Internet der Post immer mehr Sendungen. Im zweiten Quartal beförderte der Konzern allein im Deutschland-Geschäft 286 Millionen Pakete, rund 12 Prozent mehr als im Vorjahr. Laut dem scheidenden Finanzvorstand Larry Rosen trug dazu aber auch eine grössere Zahl von Arbeitstagen bei. DHL Express verzeichnete bei den zeitkritischen internationalen Sendungen einen Zuwachs von gut 8 Prozent.

Baustellen beschäftigen die Post weiterhin im DHL-Frachtgeschäft und in der Lieferkettenlogistik. Die Frachtsparte, die nach einer gescheiterten Systemumstellung im vergangenen Jahr einen Neustart versucht, hat mit Überkapazitäten und einem Preisverfall im Luftfracht-Geschäft zu kämpfen. Dort ging die Transportmenge um 4,7 Prozent zurück, während die Seefracht zulegte. In der Lieferkettenlogistik sorgten Umstrukturierungskosten für einen Gewinnrückgang.

ABSCHIED VOM POSTBUS

Als wenig erfolgreich erwies sich für die Post das vor knapp drei Jahren gestartete Fernbus-Geschäft unter der Marke Postbus. Es habe sich herausgestellt, dass für die meisten Fernbus-Kunden der Preis das entscheidende Kriterium sei, räumte Rosen ein. Die Post habe die Kosten für die Premium-Ausstattung der Fahrzeuge dabei "nicht ganz abdecken" können. Daher sei eine Fortführung des Geschäfts nicht mehr zu vertreten gewesen. Der Verkauf an den Käufer Flixbus hat keine kartellrechtlichen Konsequenzen. Laut Bundeskartellamt ist der Deal nicht anmeldepflichtig, da das Vorhaben die geltenden Umsatzschwellen nicht erreicht.

Wie viel Flixbus für das Postbus-Geschäft bezahlt, wollen beide Unternehmen nicht verraten. Rosen zufolge haben die bisherigen Kosten für das Projekt und der Verkauf aber "nicht annähernd einen materiellen Effekt" auf die Ergebnisse des Konzerns. Der Manager geht Ende September in den Ruhestand und übergibt seinen Posten an die bisherige Personalchefin Melanie Kreis./stw/mne/stb

(AWP)