Deutsche Post will Gewinn bis 2022 weiter steigern - Dax-Schlusslicht

(Neu: Details zu Gewinnziel, Digitalisierung und Zukunft der Streetscooter) - Die Deutsche Post bleibt auf Wachstumskurs, wird aber etwas vorsichtiger beim Setzen neuer Ziele. Bis zum Jahr 2022 soll der operative Gewinn (Ebit) auf mindestens 5,3 Milliarden Euro steigen, wie der Dax-Konzern bei der Vorlage seiner neuen "Strategie 2025" am Dienstag in Frankfurt mitteilte. Dabei setzt Vorstandschef Frank Appel auch auf eine stärkere Digitalisierung. Am bisherigen Ziel eines operativen Gewinns von mehr als fünf Milliarden Euro für das kommende Jahr halten die Bonner fest. Dieses Ziel stammt im Kern bereits aus dem Jahr 2014.
01.10.2019 14:07

Jetzt gibt der Vorstand zunächst nur Ziele für die nächsten drei Jahre aus: "Angesichts der zunehmenden Volatilität in unseren Märkten und im gesamtwirtschaftlichen Kontext werden wir unsere mittelfristigen Finanzziele zukünftig in einem flexibleren Prozess entwickeln", sagte Finanzchefin Melanie Kreis. Daher teile der Konzern zunächst nur Ziele bis 2022 mit. Dazu gehört, dass der freie Barmittelzufluss in den Jahren 2020 bis 2022 kumuliert zwischen 4,5 und 5,5 Milliarden Euro erreichen soll.

Die mindestens 5,3 Milliarden Euro seien das, "was wir aus eigener Kraft umsetzen können", erläuterte die Finanzchefin. "Aber die Gesetze der Schwerkraft gelten auch für uns." Wenn sich die Lage ausserordentlich verschlechtere, könne das natürlich Auswirkungen haben. Die Ziele für die weiteren Jahre würden dann später fortgeschrieben. "Damit geben wir unseren Investoren mittelfristige Planungssicherheit", sagte Kreis. Die Ziele für 2023 will der Vorstand im März 2021 bekanntgeben.

An der Börse reagierten Anleger enttäuscht auf die Nachrichten. Die Post-Aktie rutschte dann mehr als 2 Prozent ins Minus und war damit der schwächste Werte im Dax . Analysten bemängeln in erster Linie, dass die Gewinnprognosen für die kommenden Jahre hinter ihren Erwartungen zurückblieben. Experte William Fitzalan Howard von der Berenberg Bank wertete vor allem das Szenario der Post für die Kapitalausgaben und den freien Barmittelzufluss als enttäuschend.

Wesentlicher Wachstumstreiber soll nach Vorstellung des Vorstands weiterhin der Online-Handel bleiben. Den Konkurrenten Amazon, der mittlerweile auch selbst Pakete ausliefert, fürchtet die Post weiterhin nicht. Konzernchef Frank Appel betonte: "Amazon wird auch 2025 noch ein grosser Kunde von uns sein."

Auf der anderen Seite verändere sich die Logistik nach Darstellung der Post rasant. Geopolitische Einflüsse wie zunehmende Handelskonflikte vergrösserten die Unsicherheit. Zuletzt hiess es allerdings, im Gegensatz zum US-Konkurrenten Fedex spüre man noch wenig vom Handelsstreit. Dieser strich vor kurzem erst die Gewinnziele.

Der Konzern will sich Unternehmenschef Appel zufolge weiter auf die Logistik konzentrieren. "Und die Digitalisierung wird dabei der grösste Hebel sein." Die Post müsse sich dabei nicht neu erfinden, sagte er - sie werde sich aber digitalisieren. Daher will er diesen Prozess in den nächsten Jahren beschleunigen. Der Konzern will für die Digitalisierung in den nächsten sechs Jahren insgesamt 2 Milliarden Euro ausgeben.

Eine Vergleichszahl liegt nicht vor - nach Angaben des Unternehmens werden die Ausgaben in neue Technik und bessere Datenauswertung aber deutlich erhöht. Durch automatisierte Abläufe soll die Arbeit effizienter werden, Routen werden verbessert. Zudem will die Firma verstärkt auf Roboter setzen. "Technologie wird unsere Effizienz verbessern", sagte Appel.

Diese Investitionen in die Digitalisierung sollen bis 2025 jährlich einen Ergebnisbeitrag von mindestens 1,5 Milliarden Euro liefern. Insgesamt betrachtet will die Post die Investitionen in den kommenden Jahren eher stabil halten. In den vergangenen Jahren seien stetig steigende Investitionen nötig gewesen, weil auch das Sendungsaufkommen stark gestiegen sei. Um das Kerngeschäft zu stärken, hat die Post bereits die Frachtflugzeug-Flotte ihrer Tochter DHL Express erneuert.

Der Streetscooter spielt in der mittelfristigen Strategie offensichtlich wie erwartet keine grosse Rolle mehr. Auf Nachfrage betonte der Vorstand, sich auf die Kernsparten fokussieren zu wollen und für das E-Auto ein "neues Set-up" finden zu wollen. Derzeit seien die Bedingungen nicht gegeben, um das "erfolgreich weiter zu führen", erläuterte Kreis. "Wir suchen noch die richtige Konstellation, könnten uns aber vorstellen, andere mit an Bord zu nehmen."

Der Bonner Konzern bestätigte auch das Vorhaben aus dem Jahr 2010, weiterhin 40 bis 60 Prozent des Nettogewinns als Dividende auszuschütten. Grösster Nutzniesser der Dividende ist die Bundesrepublik Deutschland, der zuletzt noch gut ein Fünftel der Post-Aktien gehörten. Auf die Frage, wie lange Appel der Post noch treu sein wolle und ob er die gesetzten Ziele noch erlebe als Konzernchef sagte er, er sei noch jung genug über diesen Zeitpunkt hinaus zu arbeiten. "Ich weiss heute nicht, wann ich dieses Unternehmen verlassen werde."/knd/zb/jha/

(AWP)

 

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