Deutsche Produktion und Exporte schwächeln

(Meldung weiter ausgebaut) - Die deutsche Industrie und die Exportwirtschaft haben im Juli einen Rückschlag hinnehmen müssen. Dies zeigen am Freitag veröffentlichte Daten des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden. Während das verarbeitende Gewerbe seine Produktion den zweiten Monat in Folge verringerte, gingen die Ausfuhren zur Überraschung von Experten zurück - laut Analysten auch eine Folge der internationalen Handelskonflikte.
07.09.2018 10:43

Die Gesamtproduktion fiel um 1,1 Prozent zum Vormonat. Analysten hatten mit einem Anstieg um 0,2 Prozent gerechnet. Der Rückgang folgt auf ein Minus von korrigiert 0,7 (zunächst 0,9) Prozent im Vormonat. Ausschlaggebend für den jüngsten Dämpfer war die Warenherstellung in der Industrie, die um 1,9 Prozent sank. Die Energieerzeugung stagnierte, währen die Aktivität am Bau höher war.

Das Bundeswirtschaftsministerium sieht einen entscheidenden Grund für die Produktionsschwäche in vorübergehenden Engpässen bei den Auto-Zulassungen aufgrund einer Neuregelung. Trotz zuletzt schwächelnder Aufträge sei aufgrund des hohen Auftragsbestands aber künftig mit weiterem Aufschwung in der Industrie zu rechnen. Zudem halte der Boom im Baugewerbe unvermindert an. Experten der Bayerischen Landesbank verwiesen zudem auf einen vorübergehenden Effekt durch die Lage der Ferien.

Andere Experten sind skeptischer. Für Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank, spiegelt sich in der Produktionsschwäche die schwache Auftragsentwicklung wider. Da die Aufträge auch im Juli enttäuscht hätten, sei auch für die Folgemonate noch mit einem Dämpfer bei der Produktion zu rechnen. Zusammen mit den schwachen Exportdaten sei dies "kein guter Vorbote" für das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal. Ralph Solveen, Experte bei der Commerzbank, rechnet für die Monate von Juli bis September nur noch mit einem moderaten Wirtschaftswachstum.

Die Ausfuhren verringerten sich laut den Statistikern um 0,9 Prozent gegenüber Juni. Analysten hatten dagegen einen Zuwachs um 0,3 Prozent erwartet. Die Einfuhren stiegen kräftig um 2,8 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat erhöhten sich die Exporte und Einfuhren jeweils deutlich. Der Monatsvergleich beschreibt eher die kurzfristige, der Jahresvergleich eher die mittelfristige Entwicklung des Aussenhandels.

Der Exportmotor sei ins Stottern geraten, hiess es von Experten des Versicherers Allianz. "Ein wesentlicher Grund hierfür ist sicherlich der andauernde Handelskonflikt mit den USA. Hält die Verunsicherung lange genug an, schlägt sie sich letztendlich auch in der Wirtschaftsaktivität nieder, egal ob es nun zu einer Zuspitzung kommt oder nicht."/tos/bgf/fba

(AWP)