Deutsche Telekom liebäugelt in USA mit Fusionen - Beteiligung bremst Geschäft

(Ausführliche Fassung) - Die Deutsche Telekom ist in ihrem guten Lauf erneut von ihrer Beteiligung an der britischen BT Group gebremst worden. Im Tagesgeschäft lief es dagegen abermals rund für den Dax-Konzern, der den operativen Gewinn erneut kräftig steigern konnte. Insbesondere das brummende US-Geschäft, aber auch der Aufwärtstrend im Heimatmarkt Deutschland sorgten für mehr Schwung. Auf dem US-Markt rechnet Telekom-Chef Tim Höttges nach dem Ende der jüngsten Frequenzauktion nun mit einer heissen Phase von Fusionsgesprächen - auch rund um die eigene Tochter T-Mobile US.
11.05.2017 11:49

Es sei jetzt "nicht nur erlaubt und möglich", dass die Unternehmen der Branche sich über verschiedene strategische Kombinationen unterhielten, "sondern sogar wahrscheinlich", sagte Höttges am Donnerstag in einer Telefonkonferenz. "Das schliesst unser Unternehmen, die T-Mobile US, mit ein." Konkrete Spekulationen wolle er aber nach wie vor nicht kommentieren. Zudem sei nicht sicher, ob aus möglichen Gesprächen etwas werde. Er schliesse nichts aus, was in den USA zu weiterem Wachstum führe. Die Messlatte liege aber "hoch".

HÖTTGES RECHNET MIT FUSIONSGESPRÄCHEN IN USA

In den USA erwarten Experten nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump und Neubesetzungen an der Spitze der Telekom-Aufsicht FCC, dass sich der Markt neu sortiert. Verschiedene Anläufe zu Übernahmen auf dem US-Mobilfunkmarkt waren in der Vergangenheit am Widerstand der Regulierer gescheitert.

Aus dem ehemals darbenden US-Geschäft haben die Bonner in den vergangenen Jahren mit vielen Milliarden einen Wachstumsbringer geformt - auch um die Sparte für andere attraktiv zu machen. Nach Angaben von Höttges hat der Konzern inklusive der in diesem Jahr erwarteten Investitionen in den vergangenen fünf Jahren über 40 Milliarden US-Dollar in Netze und Mobilfunkfrequenzen in den USA gesteckt. Das zahlt sich in vielen Neukunden und einem mittlerweile deutlich gestiegenen Börsenwert von T-Mobile US aus. Mittlerweile fliessen aus den USA auch regelmässig Gewinne in die Bonner Konzernzahlen ein.

BT-BETEILIGUNG BELASTET GEWINN

Unter dem Strich ging der Konzernüberschuss in den ersten drei Monaten jedoch diesmal wie erwartet um drei Viertel auf 747 Millionen Euro zurück, weil eine Abschreibung auf Aktien der BT mit 0,7 Milliarden Euro ins Gewicht fiel. Zudem hatte der Sonderertrag aus dem milliardenschweren Verkauf des britischen Mobilfunkgeschäfts den Gewinn im Vorjahr hochgetrieben. Über den Verkauf des Gemeinschaftsunternehmens Everything Everywhere (EE) war die Telekom an das BT-Aktienpaket gekommen, das ihr bereits im letzten Quartal 2016 eine dicke Abschreibung einbrockte. Damals hatte der Pfundverfall nach dem Brexit-Entscheid zum Kursrutsch geführt, im ersten Quartal war es vor allem ein Bilanzskandal der BT Group in Italien.

Ohne Sondereffekte gerechnet wäre der Gewinn um 10 Prozent gesunken, wie die Bonner am Donnerstag mitteilten. Das Minus resultierte vorwiegend aus Kosten für den Umbau der Finanzierung bei T-Mobile US . Die US-Mobilfunktochter hatte bei der jüngsten Frequenzauktion für 8 Milliarden US-Dollar Lizenzen erworben, um sich für den Ausbau des mobilen Internets zu wappnen. Die Telekom hatte den Amerikanern mit milliardenschweren Finanzierungszusagen zur Seite gestanden.

TAGESGESCHÄFT LÄUFT RUND

Im Tagesgeschäft lief es dagegen wegen des Booms bei T-Mobile US weiter rund, aber auch in Deutschland ging es beim Umsatz und Ergebnis aufwärts. "Die Trends sind intakt: Wir wachsen in den USA und seit einiger Zeit auch wieder in Deutschland", sagte Höttges. Dabei verwies er auch auf das kleine Umsatzwachstum in Europa, wozu die Telekom das schwächelnde Niederlande-Geschäft nicht mehr rechnet.

Analyst Simon Weeden von der Citigroup sprach von einem soliden Start ins Jahr. DZ-Bank-Experte Karsten Oblinger zufolge waren die Zahlen wie erwartet ausgefallen. Die Aktie war gegen Mittag kaum verändert.

Die Mobilfunk-Serviceumsätze in Deutschland gingen zwar um 0,8 Prozent zurück, das war aber vor allem gesenkten EU-Roaminggebühren geschuldet sowie gekürzten Entgelten für die Durchleitung von Anrufen aus fremden Netzen. Ohne die Regulierungseffekte seien die Erlöse hier um 1,4 Prozent gestiegen, hiess es. Wären Rabatte in Bündelangeboten nicht komplett auf den Mobilfunk gebucht worden, hätte es sogar ein Plus von mehr als 2 Prozent gegeben, sagte ein Sprecher.

UMSATZ UND OPERATIVES ERGEBNIS KLETTERN WEITER

Der Konzernumsatz kletterte im ersten Quartal im Jahresvergleich um 5,8 Prozent auf 18,65 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen stieg um 7,5 Prozent auf 5,55 Milliarden Euro. Analysten hatten im Schnitt mit weniger gerechnet. Den Jahresausblick bestätigte die Telekom.

Vor allem beim freien Bargeldzufluss - an den das Unternehmen massgeblich die Zahlung der Dividende gekoppelt hat - waren die Bonner mit einem Plus von knapp der Hälfte auf 1,23 Milliarden Euro erfolgreicher, obwohl die Investitionsausgaben erneut stiegen./men/tav/stb

(AWP)