Deutsche Telekom will Milliardenabschreibung mit Wachstum ausgleichen

(Ausführliche Fassung) - Die Deutsche Telekom geht trotz eines dicken Milliardenverlusts im vierten Quartal mit Zuversicht ins neue Jahr. Dabei soll nicht nur der bisherige Wachstumstreiber USA den Takt vorgeben, sondern diesmal auch spürbar mehr Ergebnis aus dem Heimatmarkt kommen. Optimismus zieht Telekom-Chef Tim Höttges aus der besseren Entwicklung im Breitbandgeschäft. Zudem will die Telekom weiter die Kosten im Zaum halten. Zunächst aber muss der Dax-Konzern eine milliardenschwere Wertminderung auf seine Beteiligung an der BT Group verdauen.
02.03.2017 09:04

Die Aktien des britischen Mobilfunkprimus waren infolge des Pfundverfalls nach dem Brexit-Votum und einem Bilanzskandal in Italien deutlich im Kurs gefallen. Die Abschreibung von 2,2 Milliarden Euro zog die Telekom im vierten Quartal in die roten Zahlen, wie das Unternehmen am Donnerstag in Bonn mitteilte.

DIVIDENDE FÜR T-AKTIE WÄCHST WEITER

Den Aktionären wollen Höttges und Finanzchef Thomas Dannenfeldt aber trotz eines um 18 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro gesunkenen Jahresgewinns 60 Cent Dividende je Aktie zahlen. Das sind 5 Cent mehr als vor einem Jahr. Der Konzern hat die Ausschüttung an die Entwicklung des sogenannten freien Bargeldzuflusses geknüpft. Dieser kletterte um 9 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro. Für 2017 plant die Telekom hier mit rund 12 Prozent mehr.

Ohnehin gelingt der Telekom im laufenden Geschäft derzeit einiges, wenn auch nicht alles. Bereinigt um Sondereffekte blieb der Konzerngewinn zum Vorjahr stabil. Und die US-Mobilfunktochter T-Mobile US ist mit starkem Kundenzulauf und mittlerweile auch steigenden Gewinnen der Wachstumsgarant der Bonner. Insgesamt trieb das den Umsatz konzernweit um knapp 6 Prozent auf 73,1 Milliarden Euro in die Höhe.

MINI-ERGEBNISWACHSTUM AUCH IN DEUTSCHLAND

Im laufenden Jahr soll der Umsatz weiter zulegen. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) soll um rund 4 Prozent auf 22,2 Milliarden Euro klettern. Analysten hatten sich hier mehr ausgerechnet. Die Aktie verlor im vorbörslichen Handel rund 0,7 Prozent an Wert. Im vergangenen Jahr gab es beim operativen Ergebnis vor allem dank der US-Sparte ein Plus von knapp 8 Prozent auf 21,4 Milliarden Euro. Positive Buchungseffekte der Amerikaner aus ihrem Mietmodell für Smartphones und Tablets, der das operative Ergebnis im Vergleich mit dem Vorjahr zuletzt aufgebläht hatte, verlieren aber nun weitgehend an Bedeutung.

Neben der starken US-Sparte lieferte seit längerer Zeit auch das Deutschlandgeschäft beim Ergebnis wieder einen knappen Zuwachs. Das Plus von 0,1 Prozent 2016 soll aber in diesem Jahr deutlich grösser ausfallen: Dann plant Finanzchef Dannenfeldt - nach einigen kleineren Umbauten in der Bilanz - in Deutschland ein Plus von gut 2 Prozent auf 8,4 Milliarden Euro ein. Die Telekom gruppiert einige Geschäftsteile in eine Beteiligungssparte um.

MILLIARDENABSCHREIBUNG AUF BT GROUP

Dazu gehört etwa die BT Group. Sie steht seit Anfang 2016 in der Bilanz der Bonner, damals war die Telekom durch den Verkauf des britischen Mobilfunkgeschäfts an die Anteile gekommen und hatte noch einen dicken Sonderertrag verbucht. Der Wert der Anteile musste nach dem Währungs- und Kursverfall Ende 2016 von 7,4 Milliarden auf 5,1 Milliarden Euro korrigiert werden. Im Januar waren nochmals mehrere Milliarden Marktwert bei den Briten flöten gegangen, weil eine Gewinnwarnung infolge eines Bilanzskandals in Italien belastete.

Im Europageschäft tut sich die Telekom vereinzelt weiter schwer. Auch die schwächelnde Tochter in den Niederlanden gehört nun zur Beteiligungssparte und soll sich dort freier entwickeln können als unter dem Dach der Europasparte. Im europäischen Ausland nahm die Telekom im vierten Quartal Geld in die Hand, um neue Kunden zu gewinnen. Das belastete aber zunächst erneut das operative Ergebnis, das auf Jahressicht um gut 5 Prozent zurückging.

T-SYSTEMS MIT SCHWIERIGKEITEN

Auch die IT-Tochter T-Systems steckt weiter im Umbau. Zuletzt musste T-Systems-Chef Reinhard Clemens die internen Umsatzziele senken, weil die Kunden immer schneller vom herkömmlichen Betrieb in eigenen Rechenzentren auf die Cloud - Rechendienste aus dem Internet - umschwenken. Im vierten Quartal musste T-Systems nun wegen zwei schlecht laufender Altverträge eine Risikovorsorge bilden. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) brach im Gesamtjahr um ein Fünftel, im Schlussquartal um fast drei Viertel ein./men/stw/fbr

(AWP)