Deutschland mit überraschend starkem Dämpfer beim Auftragseingang

(Ausführliche Fassung) - Der Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe ist im April deutlich stärker gesunken als erwartet. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts vom Mittwoch lagen die Aufträge 2,1 Prozent niedriger als im Monat zuvor. Bankvolkswirte hatten zwar mit einem Rückgang gerechnet, aber nur um 0,3 Prozent. Im März waren die Auftragseingänge um revidiert 1,1 Prozent zum Vormonat (zuvor 1,0 Prozent) gestiegen. Volkswirte sehen in dem Rückgang keine Gefahr für den Aufschwung der deutschen Wirtschaft.
07.06.2017 10:16

Auch im Jahresvergleich fielen die Produktionsdaten für April enttäuschend aus. In dieser Abgrenzung wurde zwar ein Zuwachs um 3,5 Prozent gemeldet, Ökonomen hatten aber einen Anstieg um 4,7 Prozent erwartet.

Ohne Grossaufträge, die meist stark schwanken und damit das Gesamtergebnis verzerren können, stagnierte die Auftragsentwicklung im April. Laut dem Bundeswirtschaftsministerium war der Anteil der Grossaufträge "für einen April unterdurchschnittlich".

Die Auftragseinbussen ergaben sich nach Angaben des Ministeriums vor allem aus einer schwachen Nachfrage aus dem Ausland. Hier sei das Auftragsvolumen im April um 3,4 Prozent zum Vormonat gesunken. Im März hatte es noch einen vergleichsweise starken Anstieg der Auslandsaufträge von 4,6 Prozent gegeben. Das Bestellvolumen aus dem Inland habe sich hingegen im April kaum verändert (-0,2 Prozent), hiess es.

Nach Einschätzung von Experten bestätigen die Auftragsdaten nicht die jüngste Konjunktureuphorie, die nach starken Stimmungsdaten aus den deutschen Unternehmen um sich greift. "Die April-Daten zum Auftragseingang sind etwas enttäuschend ausgefallen", kommentierte Experte Johannes Mayr von der BayernLB. Seiner Einschätzung nach zeigt aber der Auftragseingang seit Herbst, dass sich der Aufschwung in Deutschland fortsetzen werde.

Auch Chefvolkswirt Carsten Brzeski von der ING-Diba Bank sieht keinen Grund zur Sorge. Seiner Einschätzung nach sind die Auftragsbücher weiter ausreichend gefüllt, um gute Produktionsdaten in den kommenden Monaten zu gewährleisten. Den April-Dämpfer erklärte Brzeski unter anderem mit den Osterfeiertagen. Dies könnte bei den Ordereingängen zu Verzögerungen geführt haben, die später wieder ausgeglichen werden./jkr/bgf/jha/

(AWP)