Digitalgeschäft hält ProSiebenSat.1 auf Kurs - Schleppendes TV-Geschäft

(Ausführliche Fassung) - Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 liegt dank eines glänzen laufenden Geschäfts im Internet auf Kurs zu seinen Jahreszielen. Mit den hohen Wachstumsraten der diversen Internetangebote wie den Partnervermittlungs- Reise-, Wetter oder Vergleichsportalen (Parship, Weg.de, Wetter.com, Verivox) kann der Konzern das eher schleppend laufende TV-Geschäft mehr als ausgleichen. In den ersten drei Monaten des Jahres zog der Umsatz um 13 Prozent auf 910 Millionen Euro an, wie das inzwischen seit etwas mehr als einem Jahr im Dax notierte Unternehmen am Donnerstag in München mitteilte.
11.05.2017 08:25

Der um Sondereffekte bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sei im ersten Quartal um 10 Prozent auf 188 Millionen Euro gestiegen. Damit übertraf der RTL-Konkurrent die Erwartungen der Experten beim Umsatz etwas und erreichte sie beim operativen Ergebnis. Unternehmenschef Thomas Ebeling ist mit dem Start ins Jahr vor allem beim Blick auf das starke Wachstum im Internet zufrieden und bestätigte erwartungsgemäss die Finanzziele für das laufende und kommende Jahr - und das obwohl der Blick auf das Wachstum des TV-Werbemarkts etwas skeptischer ist als zuletzt.

Nachdem das erste Halbjahr schwächer als erwartet ausfallen wird, rechnet ProSiebenSat.1 mit einem Wachstum des deutschen TV-Werbemarkts um 1,5 bis 2,5 Prozent. Damit senkte der Konzern die Spanne leicht. Ebeling geht dabei weiter davon aus, dass der Münchener Senderverbund auf Jahressicht in etwas wie der Markt zulegen kann. Ungeachtet dessen stellt er für den Konzern ein Umsatzplus im hohen einstelligen Prozentbereich in Aussicht. Die Gewinngrössen wie das operative Ergebnis sollen dabei steigen. 2016 hatte ProSieben den Erlös um 17 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro und das operative Ergebnis um zehn Prozent auf 1,02 Milliarden Euro gesteigert.

Für das kommende Jahr peilt der Konzern weiter einen Umsatz von 4,5 Milliarden Euro an. Dabei sollen rund 1,7 Milliarden Euro oder rund 37 Prozent aus dem Digitalgeschäft kommen. Beim operativen Ergebnis liegt die 2018er-Prognose bei 1,15 Milliarden Euro. Zum möglichen Verkauf der Reiseportale äusserte sich ProSieben erst einmal nicht. Vergangene Woche hatte Ebeling dem "Handelsblatt" gesagt, dass die Überprüfung aller strategischen Optionen für das Reisegeschäft andauert. "Das kann ein Verkauf sein, es kann aber auch sein, dass wir uns Partner dazu holen."

Im Februar hatte er das Geschäft überraschend ins Schaufenster gestellt. Man habe Signale für ein Interesse am Travelbereich aus dem Markt bekommen und unterziehe das Geschäftsfeld nun einer strategischen Überprüfung, hatte er bei der Bilanzvorlage im Februar gesagt. Im Handelsblatt-Interview begründete er die Überprüfung folgendermassen: "Warum tun wir das? Märkte ändern sich. Als wir vor drei, vier Jahren in diese Branche eingestiegen sind, haben die Reiseportale stark von TV-Werbung profitiert", sagte er. "Und es hat uns übrigens auch nicht geschadet, dass die anderen Reiseportale daraufhin mehr Fernsehwerbung geschaltet haben. Heute sind neue Spieler im Markt."

Ebeling, der als Branchenfremder gekommen ist, steht seit Anfang März 2009 an der Spitze des Konzerns. Seitdem hat er das hochverschuldete Unternehmen stark umgebaut und schneller als zum Beispiel der Konkurrent RTL auf das Internet ausgerichtet. Dank der Sanierung des Unternehmens konnten die beiden Finanzinvestoren KKR und Permira mit hohen Gewinnen aussteigen, wovon auch Ebeling mit hohen Millionen-Boni profitierte. Wegen des starken Kursanstiegs in den Jahren unter dem Manager schaffte das Unternehmen im vergangenen März auch den Sprung in den Dax.

Seitdem ging es für die Aktie allerdings bergab. Mit einem Kursverlust von fast zehn Prozent seit der Aufnahme in den Leitindex war das Papier das mit Abstand schwächste im deutschen Leitindex - dieser legte seitdem um knapp 30 Prozent zu. Ebeling führte dies im "Handelsblatt" auf eine Neubewertung des Mediensektors und die Kapitalerhöhung im Herbst zurück. Mit der im November eingesammelten halben Milliarde will Ebeling weitere Übernahme im Digitalgeschäft stemmen.

Den Kursrückgang seit dem Dax-Aufstieg kann er aus persönlicher Sicht gut verschmerzen - schliesslich summiert sich das Kursplus seit seinem Amtsantritt immer noch auf rund 2800 Prozent. Unter seiner Ägide wurde das Papier vom Penny Stock zum gefragten Standardwert mit einem Börsenwert von fast 10 Milliarden Euro. Viele Analysten halten die jüngsten Kursverluste auch für überzogen. So empfiehlt der Grossteil der von dpa-AFX erfassten Experten die Aktie zum Kauf. Das Kursziel liegt mit knapp 44,50 Euro fast acht Prozent über dem aktuellen Niveau./zb/he

(AWP)