Döpfner: Medien müssen Glaubwürdigkeit zurückgewinnen

Der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Mathias Döpfner, hat Pläne für eine staatliche Intervention zur Eindämmung von "Fake News" in sozialen Medien kritisiert. "Ich habe den Eindruck, dass gerade ein paar Grundprinzipien freiheitlicher Gesellschaftsordnung mit Füssen getreten werden", sagte der Vorstandsvorsitzende des Medienhauses Axel Springer im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur.
01.02.2017 11:59

"Fake News", also falsche Nachrichten, gebe es in Form von Unwahrheiten und Gerüchten bereits seit Jahrhunderten. Statt Plattformen wie Facebook dabei zu helfen, falsche Nachrichten herauszufiltern, sollen sich Medien auf ihre eigentlichen Aufgaben besinnen. Viel bedrohlicher für die etablierten Medien sei mittlerweile, dass sie in der Bevölkerung als Teil einer "grossen Eliten-Kungelei" wahrgenommen würden, sagte der Verbandschef.

Die Regierung will härter gegen Hasskommentare, Beleidigungen und Unwahrheiten in sozialen Netzwerken vorgehen. Die Netzwerke sollten verpflichtet werden, innerhalb von 24 Stunden auf Beschwerden zu reagieren, hatte Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) angekündigt. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) soll dazu einen Gesetzentwurf vorlegen, der auch einen Bussgeldkatalog beinhaltet.

Döpfner zog eine positive Bilanz zur Lage der Zeitungen. Die Stimmung in den Verlagen sei deutlich besser als vor einigen Jahren, wie auch aus einer am Mittwoch vorgestellten Studie des BDZV hervorgeht.

Laut der Umfrage, an der sich 90 Geschäftsführer und Verleger beteiligten (das entspricht einer Zeitungsauflage von etwa 50 Prozent), sieht sich eine grosse Mehrheit für die Herausforderungen der Digitalisierung gut aufgestellt. Für 70 Prozent seien neue journalistische Produkte ein Top-Thema. In den kommenden drei Jahren erwarten 83 Prozent eine positive Umsatzentwicklung bei Bezahlinhalten.

"Heute fühlen sich die Verlage ermutigt, dass sie mit Bezahlangeboten und Abo-Modellen ernstzunehmende Erlöse generieren können. Immer mehr Verlage verzahnen Print- und Onlineredaktion und arbeiten multimedial. Und immer mehr Journalisten sehen das als interessante Erfahrung", sagte Döpfner.

Dabei sollte die Politik den Verlagen die digitale Transformation nicht noch schwerer machen und sie vor Überregulierung, weltfremdem Datenschutz und überzogenem Mindestlohn im Vertrieb verschonen. Auch die Mehrwertsteuer sollte im digitalen Journalismus denselben bevorzugten Satz von 7 Prozent haben wie in Print. Dann würden sich die Rufe nach Subventionen oder Stiftungsmodellen von selbst erledigen. "Also bitte nicht erst erwürgen, und wenn wir schon fast tot sind, dann sagen: Hier ist noch ein bisschen Sauerstoff aus der Staatskasse."

Allerdings sei die Glaubwürdigkeit von Zeitungen zurückgegangen. "Und warum ist das so? Doch nicht wegen Bösewicht Facebook. Vielmehr haben wir selbst offenbar etwas nicht richtig gemacht", sagte Döpfner. "Vielleicht sprechen wir zu sehr wie Politiker in Worthülsen, Sprechblasen, in politisch-korrekt abgeschliffenen Formulierungen. Vielleicht transportieren wir zu oft Wünsche, wie etwas sein müsste und zu selten Fakten, Tatsachen, schonungslose Beobachtungen. Vielleicht haben wir auch durch weltfremde Political Correctness Vertrauen eingebüsst."

Als Beispiel nannte der BDZV-Präsident die Wahl von US-Präsident Donald Trump und den Brexit. "Hier haben viele Medien offenbar die eigene gute Absicht mit der Stimmung in der Bevölkerung verwechselt." Deswegen seien Authentizität und Klartext wichtiger als Vermischung von guten Absichten und Halbwahrheiten. "Da liegt unsere Herausforderung. Das ist aber auch die grösste Chance gegen "Fake News", da können wir eine Alternative bieten."/ee/DP/stk

(AWP)