Dorma+Kaba baut in Deutschland 440 Stellen ab - Zum Teil Verlagerung nach Asien

(Ergänzt mit weiteren Details, Analystenkommentare, Aktienkurs etc.)
17.06.2016 10:05

Rümlang (awp) - Der Sicherheitstechnik-Konzern Dorma+Kaba restrukturiert seinen Standort Deutschland und verlagert gewisse Aktivitäten in den Fernen Osten. Die Verbesserung der Kostenstruktur, die Straffung der Organisation und die Nutzung von Synergien führen zu einem Abbau von rund 440 Stellen in Deutschland sowie zur Verlagerung von Standorten. Die Aktie reagiert positiv auf den Schritt.

Gleichzeitig zum Abbau in Deutschland komme es an den Standorten in Singapur und Suzhou (China) zu einem Aufbau von rund 160 Stellen, teilte der Konzern am Freitag mit. In den nächsten Jahren sollen Finanzmittel in "insgesamt deutlich zweistelliger Millionenhöhe" in die Produktentwicklung, die Produktionsstätten sowie die Informationstechnologie investiert werden, wie es heisst.

Am deutschen Standort Ennepetal verbleiben den Angaben zufolge weiterhin die Deutschlandzentrale, die Zentrale für das Segment Access Solutions DACH sowie ein Teil der Gruppenfunktionen. Die Umsetzung aller Massnahmen soll im Laufe des Jahres 2018 abgeschlossen sein und möglichst sozialverträglich erfolgen, wie es heisst.

Der Umbau in Deutschland sei ein wichtiger Baustein zur Erreichung der bereits früher kommunizierten Ziele für das Geschäftsjahr 2018/2019: diese sind eine EBITDA-Marge von 18% sowie ein organisches Umsatzwachstum von mindestens 2%-Punkten über dem adjustierten Weltwirtschaftswachstum.

"ZUKUNFTSPLAN DEUTSCHLAND"

Der Konzern nennt die Massnahmen "Zukunftsplan Deutschland". Im Detail soll dabei der Standort Ennepetal als Kompetenzzentrum für mechanische und elektronische Türtechnik ausgebaut und weiterentwickelt werden, wie es heisst. Gleichzeitig soll die Herstellung von bestimmten Standardprodukten von Ennepetal nach Singapur verlagert werden, während andere Produkte von Singapur nach Suzhou (China) verschoben werden.

Weiter soll der Standort Ocholt durch Automatisierung der Produktion für mobile Trennwandsysteme "zukunftsfähig ausgerichtet" und die bereits "seit längerer Zeit unbefriedigende Ergebnislage" der Beschlagtechnik am Standort Velbert durch Kostenmassnahmen verbessert werden.

Weiter werden die Aktivitäten der Kaba Mauer in Heiligenhaus u.a. an die bestehenden Standorte Bad Berka und Velbert verlagert. Und für das defizitäre Sanitärgeschäft am Standort Rietberg wird derzeit ein Sanierungskonzept verhandelt, alternativ werde ein Verkauf oder eine Schliessung geprüft. Dies bedeute für das Sanitärgeschäft am Standort Bad Salzuflen ebenfalls eine Anpassung der Produktionskapazitäten mit entsprechendem Personalabbau.

AKTIENKURS REAGIERT POSITIV

Die Aktie des Konzerns legt am Freitag im frühen Handel bei leicht überdurchschnittlichen Volumen deutlich zu und notiert kurz vor 10 Uhr 3,2% höher bei 667 CHF (SPI +1,4%). Analysten bewerten die News denn auch positiv: Die ZKB meint in einem Kommentar, die heute publizierte Meldung zeige, dass der Integrationsprozess langsam Form annehme. Dass der Konzern ausserdem weiter auf Innovationen setze, sei im Hinblick auf die bestehende Technologieführerschaft in der Industrie zu begrüssen. Allerdings dürfte der Löwenanteil der erwarteten Synergien bereits in den aktuellen Kursniveaus eingepreist sein, meint der zuständige Analyst.

Die UBS geht davon aus, dass die Kostensenkung aus den heute kommunizierten Massnahmen mindestens 20 Mio CHF betragen wird und dieser Betrag Teil des früher angekündigten Synergieziels von 60 bis 70 Mio CHF ist. Die Bank spricht in ihrem Kommentar denn auch von beruhigenden Neuigkeiten hinsichtlich der Kostenreduktions- und Profitabilitätsziele.

Mit dem Zusammenschluss der schweizerischen Kaba-Gruppe und des deutschen Familienunternehmens Dorma entstand 2015 das weltweit drittgrösste Unternehmen der Branche. Es ist in 50 Ländern aktiv und hat weltweit rund 16'000 Mitarbeitende. Der Konzern mit Sitz im zürcherischen Rümlang ist an der Schweizer Börse SIX kotiert.

uh/cf

(AWP)