Drei weitere Wursthersteller entgehen Kartellstrafe wegen Rechtslücke

Wegen einer Lücke im Wettbewerbsrecht sind drei weitere Wursthersteller einer empfindlichen Kartellstrafe entgangen. Bussgelder in Höhe von insgesamt rund 110 Millionen Euro gegen die Unternehmen Bell (Seevetal), Sickendiek (Neuenkirchen-Vörden, beide Niedersachsen) und Marten (Gütersloh, NRW) wegen Preisabsprachen seien aufgehoben worden, teilte das Bundeskartellamt am Montag mit. Die Firmen hätten sich intern umstrukturiert und seien damit rechtlich für die Bussgeldverfahren nicht mehr greifbar gewesen. Mit einer aktuellen Rechtsänderung habe der Gesetzgeber das Schlupfloch für künftige Verfahren aber geschlossen, betonte Kartellamtschef Andreas Mundt.
26.06.2017 14:39

Das Schlupfloch im Wettbewerbsrecht wird intern als "Wurstlücke" bezeichnet, weil nach einem gross angelegten Kartellverfahren gegen 21 Wursthersteller aus dem Jahr 2014 bereits zwei andere Unternehmen der Branche mit konzerninternen Umstrukturierungen reagiert hatten. Die angegriffenen Firmen verschwanden dadurch pro forma; damit war das Bussgeld nicht mehr vollstreckbar. Künftig müssten Konzernmütter für Bussgelder ihrer Töchter mit einstehen. Damit würden "Umgehungslösungen verhindert", sagte Mundt. Insgesamt seien der Behörde durch die "Wurstlücke" allein in diesem Komplex 238 Millionen Euro Bussgeld entgangen./rs/DP/stb

(AWP)