Durch Umbau bei Airbus könnten laut Gewerkschaften 1000 Jobs wegfallen

TOULOUSE (awp international) - Durch den Konzernumbau bei Airbus sollen nach Angaben französischer Gewerkschafter Hunderte Stellen wegfallen. Das Management des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns habe gegenüber Arbeitnehmervertretern bereits Streichungen von bis zu 780 Jobs angekündigt, sagte Jean-Marc Escourrou von der Gewerkschaft FO. Er gehe davon aus, dass am Ende sogar mehr als 1000 Jobs zur Disposition stehen, erläuterte er am Mittwoch im Sender BFMTV. Es geht um Stellen in der Verwaltung, die Produktion sei nicht betroffen.
23.11.2016 13:57

Der Konzern erklärte, es sei noch keine Entscheidung gefallen. Aus Respekt für die Gespräche mit den Sozialpartnern kommentiere man Medienspekulationen nicht, sagte ein Sprecher.

Airbus-Chef Tom Enders hatte Ende September angekündigt, das Management des Konzerns zu straffen. Die wichtige Passagierjet-Sparte verschmilzt mit den Konzernstrukturen der Airbus Group zu einer neuen Gesellschaft. So will der Deutsche den Boeing -Konkurrenten beweglicher machen, Doppelstrukturen abbauen und Kosten senken. Der Airbus-Konzern beschäftigt weltweit rund 137 000 Mitarbeiter.

Die französische Wirtschaftszeitung "Les Echos" nannte unter Berufung auf die Gewerkschaft CFTC ebenfalls die Zahl von 780 Stellen, die wegfallen sollten. Vor allem die Entwicklung, die Kommunikation und die IT seien betroffen. Auch in der internationalen Strategie- und der Rechtsabteilung solle gestrichen werden.

Der Gewerkschafter Michel Molesin von der CGT nannte es beunruhigend, dass es offenbar vor allem um Einsparungen gehe. Er verwies als Beispiel auf beabsichtigte Stellenstreichungen in der Forschung und Entwicklung: Dies werfe Fragen zur Strategie auf, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Derzeit verkünde das Management Schritt für Schritt seine Vorstellungen für jeden einzelnen Bereich. Am 29. November solle ein Gesamtüberblick vorgestellt werden - dann werde es wohl auch mehr Klarheit zu den Folgen für die Mitarbeiter geben, bevor dann die eigentlichen Verhandlungen beginnen könnten.

Für Airbus ist die Fusion der nächste Schritt bei der Integration des früheren deutsch-französischen Gemeinschaftsunternehmens. Die Konzernzentrale war bereits vor drei Jahren nach Toulouse verlagert worden, wo auch die Flugzeugsparte sitzt.

Nach dem Triebwerks-Desaster beim Militärtransporter A400M und Produktionsproblemen beim neuen Langstreckenjet A350 steht das Unternehmen unter Druck. Hinzu kommt die schleppende Nachfrage beim Grossraum-Jet A380. Zugleich kann der Konzern aber prall gefüllte Auftragsbücher für kleinere Passagierjets vorweisen.

Gerade erhielt der Flugzeugbauer auch grünes Licht für einen Milliardendeal mit dem Iran. Die US-Exportkontrollbehörde erteilte nach Angaben eines Airbus-Sprechers die letzte noch ausstehende Genehmigung für den Verkauf von 118 Passagierflugzeugen. Das Geschäft war Anfang des Jahres grundsätzlich vereinbart worden, nun können die Verhandlungen mit Iran Air zum Abschluss gebracht werden./sku/DP/she

(AWP)