EFG bleibt nach BSI-Integration in schwarzen Zahlen - Anhaltende Geldabflüsse

(Meldung durchgehend ergänzt) - Die Vermögensverwalterin EFG International sieht sich mit der Integration der im vergangenen November übernommenen Tessiner Vermögensverwalterin BSI auf Kurs. Für das erste Halbjahr 2017 weist die Bank trotz der Integrationskosten einen nur leicht unter dem Vorjahreswert liegenden Gewinn aus und übertrifft damit die Markterwartungen. Der Abfluss von Vermögen hat allerdings weiterhin angehalten. Die EFG sieht sich derweil auf gutem Weg, um die geplanten Synergien aus dem Zusammenschluss zu realisieren.
26.07.2017 08:59

Im ersten Halbjahr 2017 weist die EFG einen IFRS-Reingewinn von 19,2 Mio CHF aus nach einem Gewinn von 22,3 Mio, den die Bank im vergangenen Semester noch ohne BSI erwirtschaftet hatte. Der "zugrunde liegende wiederkehrende Reingewinn" verbesserte sich gar deutlich auf 74,5 Mio CHF gegenüber der Vorjahreszahl von 38,1 Mio, wie dem am Mittwoch publizierten Semesterergebnis zu entnehmen ist.

Aus dem "zugrunde liegenden" Reingewinn ausgeklammert wurden unter anderem Kosten für die BSI-Integration von 32,7 Mio CHF sowie weitere 3,9 Mio für BSI-bezogene Abschreibungen. Zudem steuerten die Lebensversicherungsportfolios, die von EFG seit Jahren aus Anlagezwecken gehalten werden, erneut einen negativen Beitrag in Höhe von 14,3 Mio CHF bei.

ABNAHMENDE VERWALTETE VERMÖGEN

Die zusammengeschlossene Bank wies per Ende Juni 2017 ertragsgenerierende Vermögen (AuM) von 138,4 Mrd CHF aus, zuletzt hatte sie Ende März die AuM auf 140,6 Mrd beziffert. Der Nettoneugeld-Abfluss belief sich in den ersten sechs Monaten auf 5,5 Mrd CHF. Die EFG verweist dabei aber auch auf Bereinigungen in Nicht-Zielmärkten und auf Abflüsse wegen Abgängen von Kundenberatern und steuerlichen Offenlegungen durch Kunden. Zudem kam es zu Abflüssen wegen der im Mai bekanntgewordenen Sanktionen der italienischen Notenbank betreffend der EFG-Büros in Mailand und Como.

Mit den Ergebnissen hat die Bank die Analystenschätzungen für die Gewinnzahlen übertroffen, bei den Neugeldern aber etwas enttäuscht. Zudem waren die Gewinnschätzungen wegen der Ungewissheit über die ausserordentlichen Posten im Zusammenhang mit der BSI-Integration stark auseinandergegangen. Im Durchschnitt (AWP-Konsens) hatten die Experten einen zugrunde liegenden Reingewinn von 59,1 Mio und einen IFRS-Reinverlust von 10,3 Mio CHF erwartet. Bezüglich Netto-Neugelder schätzten sie den Abfluss im Schnitt auf 4,8 Mrd CHF, die Kundengelder (AuM) wurden bei 139 Mrd erwartet.

SYNERGIEN BEKRÄFTIGT

Insgesamt erwirtschaftete die fusionierte EFG in den ersten sechs Monaten des Jahres 2017 einen Betriebsertrag von 608,9 Mio CHF gegenüber einem Ertrag von 341,7 Mio CHF im Vorjahreszeitraum für die EFG alleine. Der Geschäftsaufwand belief sich laut den Angaben auf 566,1 Mio CHF (VJ 298,6 Mio).

Die Bank erwartet weiterhin Synergien aus dem Zusammenschluss in Höhe von rund 240 Mio CHF bis 2019. Im laufenden Geschäftsjahr 2017 werde man bereits Synergien von 50 Mio CHF erreichen, heisst es in der Mitteilung. Drei Viertel der für 2018 geplanten zusätzlichen Synergien von 130 Mio CHF würden zudem "bereits im ersten Quartal" erreicht werden, nachdem die Integration der Schweizer IT Ende 2017 abgeschlossen sei. Die Kapitalisierung liegt mit einer Tier 1-Ratio von 17,7% etwas unter dem Wert von Ende 2016 (18,2%).

LANGSAMERE GELDABFLÜSSE

Die Geldabflüsse sollen sich laut EFG verlangsamen: Im zweiten Halbjahr erwartet die Bank weitere fusionsbedingte Abflüsse von 2-3 Mrd CHF, was aber durch das organische Wachstum und die angekündigte Übernahme der UBSI Banca International (Luxemburg) kompensiert werden solle. Ab dem Jahr 2018 sollen wegen der Fusion keine weiteren Geldabflüsse anfallen, heisst es.

Insgesamt erwarte EFG in der zweiten Jahreshälfte eine weitere Stabilisierung des Geschäfts, wird CEO Joachim Strähle in der Mitteilung zitiert. Mit dem nahenden Abschluss der Integration könne sich die Bank verstärkt auf profitables Wachstum konzentrieren. So werde man weiterhin selektiv Kundenberater und Teams in Schlüsselmärkten anstellen. Die Mittelfrist-Ziele werden von der Bank bestätigt.

tp/cp

(AWP)