EFG International im Halbjahr mit tieferem Gewinn - BSI-Übernahme auf Kurs

(Meldung durchgehend mit weiteren Informationen ergänzt)
27.07.2016 08:57

Zürich (awp) - Die Vermögensverwalterin EFG International hat im ersten Halbjahr 2016 das schwierige Marktumfeld zu spüren bekommen und einen leichten Ertragsrückgang hinnehmen müssen. Der Gewinn ging wegen Sonderkosten und Rückstellungen vor allem im Zusammenhang mit der Übernahme der Tessiner Privatbank BSI um mehr als die Hälfte zurück. Bei der Vorbereitung von deren Integration sieht sich die EFG International derweil dem Plan voraus.

Der Reingewinn nach Minderheiten belief sich auf 22,3 Mio CHF nach 48,0 Mio CHF im Jahr davor, wie die Bankengruppe am Mittwoch mitteilte. Unter Ausklammerung der Sonderkosten resultierte ein zugrundeliegender Reingewinn von 38,1 Mio CHF (VJ 44,1 Mio). Die Sonderkosten entfielen vor allem auf Kosten und Rückstellungen für die BSI-Übernahme (6,1 Mio CHF) und für das Kostensenkungsprogramm (3,8 Mio), aber auch auf Anwalts- und weitere Verfahrenskosten (4,5 Mio).

BREXIT LASTET AUF AUM

Die von der Bankengruppe verwalteten ertragsgenerierenden Vermögen beliefen sich per Mitte Jahr auf 80,6 Mrd CHF nach 83,3 Mrd CHF zum Jahresende 2015. Der Rückgang war zum grösseren Teil auf negative Währungseffekte rund um den Brexit-Entscheid - Grossbritannien ist ein wichtiger Markt für EFG International - sowie auf die ungünstige Marktentwicklung zurückzuführen.

Bei den Nettoneugeldern kam es im Halbjahr zu einem leichten Abfluss von 0,1 Mrd CHF (VJ -0,3 Mrd). Im ersten Halbjahr sei die Generierung von Neugeldern "enttäuschend" gewesen, gegen Ende des zweiten Quartals habe aber in den meisten Regionen "eine positive Dynamik" eingesetzt, so die Bank.

RÜCKLÄUFIGER ERTRAG

Die Bank erwirtschaftete insgesamt einen Bruttoertrag von 341,7 Mio CHF, was einem Rückgang zum Vorjahr um 3% entsprach. Belastend wirkten sich die geringe Kundenaktivität wie auch Währungseinflüsse aus. Zudem resultierte aus den Lebensversicherungsportfolios ein negativer Ertrag (-0,8 Mio). Die Bruttomarge fiel entsprechend mit 84 Basispunkten tiefer als noch vor Jahresfrist (87 BP).

Der Geschäftsaufwand erhöhte sich derweil zur Vorjahresperiode um 0,9% auf 298,6 Mio CHF, lag allerdings unter dem Niveau des zweiten Halbjahres. Dabei resultierte ein Kosten-Ertrags-Verhältnis von 86,9% (VJ 83,3%).

Mit den Zahlen liegt EFG International beim Bruttoertrag und bei den AuM am oberen Rand der Erwartungen. Gemäss AWP-Konsens erwarteten Analysten den Bruttoertrag bei 335,1 Mio CHF und prognostizierten zudem einen Nettoneugeldabfluss von 0,9 Mrd und die verwalteten Vermögen bei 79,4 Mrd CHF. Die Gewinnschätzungen waren wegen unterschiedlicher Annahmen über Sonderbelastungen recht weit gestreut.

KOSTENSENKUNGSPROGRAMM ÜBERERFÜLLT

Bei der Umsetzung des im November 2015 angekündigten Kostensenkungsprogramms sieht sich die Privatbank dem Plan voraus: Die angepeilten Einsparungen von 30 Mio CHF und der Abbau von 200 Stellen würden nun deutlich übertroffen, heisst es. Im abgeschlossenen Halbjahr wurden bereits Einsparungen von 19 Mio CHF und eine Reduktion um 170 Vollzeitstellen erreicht. Im Gesamtjahr 2016 sollen sich die Einsparungen auf 57 Mio CHF und die Stellenreduktion auf 254 erhöhen.

Bezüglich des Lebensversicherungsportfolios erachtet EFG International die angekündigten Prämienerhöhungen bei 45 Policen weiterhin für nicht gerechtfertigt und will diese vor US-Gerichten anfechten. Man sei zum Schluss gekommen, dass der Bilanzwert "vollständig einbringbar sei". Bei dem Portfolio bezahlt das Institut die mit den Policen verbundenen Prämien bis zum Tod der versicherten Personen und hat dann das Anrecht auf die vereinbarte Todesfall-Auszahlung.

BSI-KAUFPREIS UM GEWINNEINZIEHUNG REDUZIERT

Die im Februar angekündigten Übernahme der BSI ist laut dem Angaben dem Plan voraus. Die im Mai von der Finma verhängte Gewinneinziehung von 95 Mio CHF wegen der Affäre um den malaysischen Staatsfonds 1MDB werde den Kaufpreis reduzieren, aber die verhandelten Entschädigungszusagen nicht beeinträchtigen. Die Ausgabe von AT1-Kapitalinstrumenten zur Finanzierung des Kaufs sieht die EFG derweil als nicht mehr notwendig an.

Am Dienstag hatte eine ausserordentlichen Generalversammlung der EFG International der Schaffung weiterer 15 Mio Aktien zugestimmt. Damit sei man nun in der Lage, die Aktienkomponente des BSI-Kaufs vollständig zu erfüllen.

Der Abschluss der Transaktion wird weiterhin im vierten Quartal 2016 erwartet. Nach dem Closing soll die rechtliche Integration von BSI in EFG schrittweise in den einzelnen Märkten erfolgen, die Integration werde bis Mitte 2017 abgeschlossen. Die Migration des Geschäfts von BSI auf die IT-Plattform von EFG soll bis Ende 2017 zum Abschluss kommen.

tp/uh

(AWP)