EFG International: Kaufpreis für BSI dürfte sich reduzieren - Vermögensabfluss

(Zusammenfassung)
10.08.2016 19:31

Zürich (awp) - Der Kaufpreis, den die Vermögensverwalterin EFG International für die Übernahme der Konkurrentin BSI zahlen muss, dürfte sich auf Grundlage der Halbjahresresultate der Tessiner Bank deutlich reduzieren. Die BSI hat im ersten Halbjahr nach dem harschen Vorgehen der Regulierungsbehörden im 1MDB-Skandal starke Vermögensabflüsse hinnehmen müssen. Auch auf Gewinnebene waren bei der BSI die Massnahmen der Regulatoren spürbar.

Das BSI-Ergebnis habe das schwierige Marktumfeld und die negativen Einflüsse der "regulatorischen Massnahmen" sowie eine Anzahl von aussergewöhnlichen Belastungen wiedergespiegelt, schreibt EFG am Mittwochabend in einer Medienmitteilung. Der Preis für die Übernahme der BSI von der derzeitigen Besitzerin, der brasilianischen BTG Pactual, dürfte sich nun um weitere 140 Mio CHF reduzieren. Die EFG International beziffert den Kaufpreis unter Einschluss bereits früher vorgenommener Anpassungen zum heutigen Stand noch auf 1,05 Mrd CHF.

Bei der Ankündigung der Fusion Ende Februar 2016 war der Kaufpreis noch auf rund 1,33 Mrd CHF beziffert worden, die zum Teil in bar und zum Teil über EFG-Aktien beglichen werden sollen. Der Abschluss wird für das vierte Quartal 2016 erwartet. Die volle Integration in Singapur werde spätestens per Ende November 2016 erfolgen, die rechtliche Integration in der Schweiz per Mitte 2017. Die Migration der BSI auf die IT-Plattform von EFG werde Ende 2017 abgeschlossen sein.

VERMÖGENSABFLÜSSE VON 9,6 MRD CHF

Die Nettoneugeldabflüsse bei den Kundenvermögen der BSI beliefen sich laut einer BSI-Mitteilung von Mittwochabend im ersten Halbjahr auf insgesamt 9,6 Mrd CHF. Insgesamt habe die BSI 73,7 Mrd CHF verwaltet gegenüber 84,3 Mrd per Ende des vergangenen Jahres, so die BIS weiter. Der Rückgang bei den Kundenvermögen sei vor allem auf die Ankündigungen der Behörden in der Schweiz und in Singapur erfolgt, heisst es weiter.

Die Regulierungsbehörden der Schweiz und Singapurs hatten im Mai harsche Massnahmen gegen die BSI verhängt, weil die Privatbank in die Korruptionsaffäre um den malaysischen Staatsfonds 1MDB verstrickt ist. Die Schweizer Privatbank hat in der Folge die Lizenz in Singapur verloren und auch von Seiten der Finma ist ein Weiterbetrieb nicht mehr vorgesehen. Die Übernahme durch die EFG International wurde von den Schweizer Behörden lediglich unter der Bedingung genehmigt, dass die BSI völlig integriert und innerhalb von zwölf Monaten aufgelöst wird.

GAAP-GEWINN UND IFRS-VERLUST

Insgesamt hat die BSI im ersten Halbjahr laut ihrer Mitteilung Erträge von 330,6 Mio CHF (VJ 427,6 Mio) erzielt. Der Rückgang sei vor allem mit den Vermögensabflüssen, geringeren Handelserträgen als im Vorjahr und einem Rückgang bei Kommissionserträgen wegen den Markteinflüssen zu erklären, heisst es. Die Betriebskosten hätten um 2,4% auf 296,0 Mio CHF gesenkt werden können. Das laufende Kostenreduktionsprogramm sei teilweise durch höhe juristische sowie durch Compliance-Kosten kompensiert worden worden.

Den Reingewinn beziffert die BSI nach den Rechnungslegungsregeln von Swiss GAAP auf 66,2 Mio (VJ 78,1 Mio). Die Zahl enthalte eine Reihe ausserordentlicher Einflüsse: So den Verkauf des Anteils an der B-Source, dem Rückgang der verwalteten Vermögen, aber auch die geringeren Handelserträge - im Vorjahr hatte noch der Effekte der Aufhebung der Euro-Mindestkurses durch die SNB gespielt. Zudem nennt die BSI auch IT-Investitionen sowie die MAS-Busse.

Die EFG International kommt am Mittwochabend in ihrer separaten Mitteilung für die BSI dagegen auf einen Reinverlust nach IFRS-Rechnungsleungregeln von 18,3 Mio CHF gegenüber einem Gewinn von 100,7 Mio im Jahr davor. Darin seien unter anderem auch die Strafzahlungen der Finma (95 Mio CHF) und der Singapurer Behörde MAS (10 Mio CHF) eingeschlossen, heisst es.

tp/yr

(AWP)