EnBW verschärft Sparkurs und zieht sich aus Grosskundengeschäft zurück

KARLSRUHE (awp international) - Der Energieversorger EnBW drückt beim Sparkurs aufs Tempo und zieht sich aus dem Geschäft mit Grosskunden zurück. Das klassische Grosskundengeschäft mit Strom und Gas sei weder profitabel, noch biete es ausreichend Wachstumspotenzial, teilte der Konzern mit Sitz in Karlsruhe am Dienstag mit. Der Umsatz in diesem Bereich lag im vergangenen Jahr bei rund 2,5 Milliarden Euro, sagte ein Sprecher (Umsatz 2015 insgesamt: 21,2 Milliarden).
14.06.2016 12:53

Von der Entscheidung sind rund 400 Mitarbeiter betroffen. Sie sollen entweder abgefunden oder anderweitig im Konzern untergebracht werden. Zusätzlich zu bisherigen Sparmassnahmen sollen bis 2020 weitere rund 250 Millionen Euro eingespart werden. Um dieses Ziel zu erreichen, "werden mit Sicherheit weitere Personalmassnahmen notwendig sein", sagte der Sprecher weiter. Eine Grössenordnung nannte er nicht. EnBW beschäftigte zum Jahreswechsel knapp 20 300 Menschen. Das Unternehmen ist fast vollständig in öffentlicher Hand.

Auf dem Markt für Grosskunden herrsche ein lebhafter Wettbewerb, erläuterte der Sprecher die Entscheidung des Energiekonzerns weiter; alle Versorger seien von diesen Problemen betroffen. Viele spezielle Nischenanbieter seien unterwegs, die zum Teil sehr preisaggressiv aufträten.

Das Privatkundengeschäft mit konzernweit rund fünf Millionen Kunden sei von der Entscheidung nicht berührt, hiess es. Bestehende Verträge mit den rund 10 000 Grosskunden würden erfüllt.

EnBW kämpft ebenso wie die grössten deutschen Energiekonzerne Eon und RWE mit einem immer unrentableren Geschäft mit konventionellen Kraftwerken. Auch der Verfall der Strompreise macht dem Unternehmen zu schaffen. Der Karlsruher Versorger setzt auf den Umbau weg von Atom- und Kohlestrom hin zu Windenergie und Gas./avg/DP/mis

(AWP)