Energiedienst steigert Halbjahresgewinn dank Sondereffekten

(Meldung vom Freitag ergänzt um Aktienkurs und Analystenprognose im letzten Abschnitt) - Energiedienst ist operativ weiter unter Druck. Dank Sondereffekten hat das Energieunternehmen im ersten Halbjahr allerdings deutlich mehr verdient. Die Aktie ist im frühen Handel am Montag bei geringen Volumen leicht im Plus.
24.07.2017 10:43

In den ersten sechs Montag 2017 sank der Betriebsertrag um 2,7% auf 442,6 Mio EUR. Der Rückgang sei im Wesentlichen auf den geringeren Stromabsatz sowie auf das rückläufige Verbundgeschäft zurückzuführen, teilte Energiedienst am Freitagabend mit. Denn der Stromabsatz sank in der Berichtsperiode um 8,3% auf 3'981 Mio Kilowattstunden.

Lediglich bei Privatkunden in Deutschland stieg der Stromabsatz leicht um 2%. Zu regulierten Tarifen "gefangene" Endkunden in der Schweiz hat Energiedienst keine.

Die Wasserkraftwerke erzeugten zudem weniger Strom als im Vorjahr. Die Wasserführung des Rheins sei im ersten Halbjahr unterdurchschnittlich gewesen und habe rund 17% unter dem langjährigen Durchschnitt gelegen, heisst es. Auch im Wallis sei die Produktion wegen geringerer Niederschläge im Winter unter den Erwartungen gewesen.

OPERATIV STARK UNTER DRUCK

Das operative Geschäft verschlechterte sich - vor Sondereffekten - um 8,3 Mio EUR. Hintergrund sei das nach wie vor schwierige Marktumfeld in der Energiebranche - mit weiterhin niedrigen Grosshandelspreisen für Strom. Dies beeinflusste den EBIT ebenso negativ wie die geringere Stromproduktion. Durch verschiedene Massnahmen, zum Beispiel Effizienzsteigerungen, konnte Energiedienst den Rückgang allerdings um 1 Mio EUR kompensieren.

Hinzu kam allerdings ein stark positiver Einfluss auf den EBIT durch den Kapitalmarkt: So hätten der Aktienmarkt und das gestiegene Zinsniveau zu einem positiven Effekt bei der Bewertung der Personalvorsorge in Deutschland in Höhe von 22,4 Mio EUR geführt. Das Betriebsergebnis erreichte damit 22,6 Mio nach 7,5 Mio. Unter dem Strich stieg damit der Gewinn auf 20,6 Mio EUR, nachdem er im Vorjahr auf 2,3 Mio abgesackt war.

ZU ABHÄNGIG VON MARKTPREISEN

Die Bruttoinvestitionen lagen bei Energiedienst indes mit 28,8 Mio Euro in etwa auf Vorjahresniveau. Der grösste Teil der Investitionen floss aus eigenen Mitteln in den Produktions- und Netzbereich.

Durch die positive Entwicklung am Kapitalmarkt bekomme das Unternehmen "eine mehr als spürbare Entlastung, um unsere neuen Geschäftsfelder Photovoltaik, Elektromobilität sowie Wärme- und Energielösung weiter zu entwickeln", lässt sich CEO Martin Steiger in der Mitteilung zitieren. "Wir müssen hier rasch vorankommen." Denn: Man sei im operativen Geschäft derzeit noch zu abhängig von den Grosshandelspreisen.

Mit Blick auf das Gesamtjahr rechnet Energiedienst bei einer "normalen" Wasserführung und bei einer stabilen Entwicklung der Kapitalmärkte mit einem betrieblichen Ergebnis von 40 bis 50 Mio EUR zum Jahresende. Der EBIT erreichte im vergangenen Jahr 45,3 Mio CHF.

An der Börse zeigen sich die Titel der eher illiquiden Aktie etwas fester. Gegen 10.15 Uhr legen sie 0,6% auf 25,25 CHF zu, während der Gesamtmarkt kaum verändert tendiert (SPI: +0,1%).

Im Vorfeld der Zahlenvorlage hatte Research Partners einen höheren Betriebsertrag (475,8 Mio EUR) erwartet, gleichzeitig allerdings einen geringeren Gewinn (16,8 Mio). Das schwierige Umfeld habe sich im ersten Halbjahr nicht nennenswert entspannt, schrieb der zuständige Analyst gut eine Woche vor der Ergebnispublikation.

Er war damals davon ausgegangen, dass die hydrologischen Bedingungen unvorteilhaft bleiben würden. Die Wasserführung des Rheins und anderer Gewässer habe sich seit dem sehr trockenen Herbst 2016 nie wesentlich erholt. Bis in den Sommer hinein hätten ausgiebige flächendeckende Regenfälle gefehlt.

ys/uh

(AWP)