Eon bereitet sich auf möglichen feindlichen Übernahmeversuch vor

ESSEN (awp international) - Der Energiekonzern Eon rüstet sich nach dem dramatischen Kursverlust an der Börse gegen einen möglichen ungewünschten Übernahmeversuch. Vorstandschef Johannes Teyssen stellte in den vergangenen Wochen ein neues Abwehrteam aus Banken und Anwälten zusammen. Sie sollen das Unternehmen im Falle einer Attacke unterstützen. Einen entsprechenden Bericht des "Spiegel" bestätigte das Unternehmen.
25.11.2016 18:00

"Jedes gelistete Unternehmen hat laufende sogenannte "Defense"-Mandate, die meist für einige Jahre vertraglich vereinbart sind", erklärte ein Sprecher. Solche Verträge seien bei Eon kürzlich ausgelaufen und daher neu verhandelt worden. Dies gehöre zur normalen Risikovorsorge eines börsennotierten Unternehmens. Einen konkreten Anlass gebe es nicht.

An der Börse wird Eon nach der Abspaltung der Kraftwerksbetreibers Uniper und der Talfahrt infolge der Energiewende derzeit nur noch mit gut zwölf Milliarden Euro bewertet. Damit könnte der Konzern für Hedgefonds relativ billig zu haben sein. Diese Investoren könnten das Unternehmen anschliessend zerlegen wollen, um mit dem Verkauf einzelner Teile wie dem Netzgeschäft oder der Ökostromsparte schnell den Kaufpreis wieder reinzuholen. Dahinter steht die Annahme, dass die Eons Einzelteile mehr wert sind als im Konzern zusammen.

Erst im Frühjahr hatte die US-Gesellschaft Knight Vinke für eine Abspaltung des Netzgeschäfts geworben, war damit aber abgeblitzt. Die Amerikaner sollen laut "Spiegel" zuletzt den Druck auf das Management erhöht haben. Zudem wurde zuletzt spekuliert, dass der für seine Einflussversuche auf die Geschäftspolitik bekannte schwedische Investor Cevian einen Einstieg bei Eon prüfe.

Sogenannte aktivistische Investoren haben in den vergangenen Jahren zunehmend Unternehmen in Deutschland ins Visier genommen, zuvor war das Phänomen vor allem in den USA bekannt. So mischt sich Cevian bereits aktiv in die Geschäftspolitik des Industriedienstleisters Bilfinger ein. Beim Pharmaunternehmen Stada hatte ein Fonds den Aufsichtsratschef zuletzt zum Rücktritt gedrängt./enl/jsl/zb

(AWP)