Eon erleidet wegen Kraftwerkstochter Uniper wieder Milliardenverlust

(Ausführliche Fassung)
10.08.2016 09:42

ESSEN (awp international) - Der radikale Umbau reisst erneut ein riesiges Loch in die Bilanz des Energiekonzerns Eon . Das Unternehmen schrieb weitere 3,8 Milliarden Euro auf seine vor der Abspaltung stehende Kraftwerks- und Handelstochter Uniper ab. Das führte zu einem Verlust im ersten Halbjahr von unterm Strich 3 Milliarden Euro, wie Eon am Mittwoch in Essen mitteilte.

Uniper soll im September an der Börse notiert werden. Bereits in den beiden Vorjahren hatte Eon im Zuge seiner Neuausrichtung hohe Abschreibungen vorgenommen und Milliardenverluste verbucht. Weitere Wertberichtigungen schloss Finanzvorstand Michael Sen in einer Telefonkonferenz nicht aus. Der mögliche Belastung werde aber erst feststehen, wenn Uniper an der Börse sei.

AKTIE AM DAX-ENDE

Bislang stand die Tochter dem offiziellen Abspaltungsdokument zufolge noch mit 15,5 Milliarden Euro in den Büchern. Analysten schätzen den tatsächlichen Wert aber nur noch auf bestenfalls 5,5 Milliarden Euro. Grund sind die wegbrechenden Gewinne der Grosskraftwerke, die unter dem vom Ökostrom-Boom ausgelösten Verfall der Preise im Grosshandel leiden.

Das Unternehmen hatte Investoren bereits im April auf neuerliche Wertberichtigungen vorbereitet. Dennoch rutschte die Aktie im frühen Handel um 3 Prozent ab, was den letzten Platz im Dax bedeutete.

KAPITALPOLSTER WIRD DÜNNER

Beim Schritt von Uniper aufs Börsenparkett handelt es sich nicht um einen klassischen Börsengang. Eon-Aktionäre bekommen automatisch für zehn Aktien einen Uniper-Anteilsschein. Eon selbst behält zunächst 46,65 Prozent der Anteile, die erst in einiger Zeit veräussert werden sollen.

Zuletzt standen diese Anteile noch mit 7,2 Milliarden Euro in den Büchern, gemessen an den aktuellen Analystenschätzungen ist das Paket tatsächlich aber nur 2 bis 2,5 Milliarden Wert. Demzufolge drohen Eon in den kommenden Quartalen nach den nun vorgenommenen Wertberichtigungen noch bis zu 1,4 Milliarden Euro weitere Abschreibungen.

KAPITALERHÖHUNG NUR FÜR ATOMFONDS

Die Verlustserie zehrt das Eigenkapital weiter auf. In den ersten sechs Monaten schmolzen die Puffer um fast 7 Milliarden Euro auf nur noch rund 12,2 Milliarden Euro. Dazu trugen auch die historisch niedrigen Zinsen bei, die die Pensionsrückstellungen belasteten. Die Eigenkapitalquote schmolz um 5 Prozentpunkte auf nur noch 12 Prozent.

"Schlaflose Nächte" bereite ihm das aber nicht, sagte Finanzvorstand Sen. Denn der Konzern sitze weiter auf einem grossen Vermögen - etwa in Form seiner Netze. Auch der Markt schaue deshalb über die dünneren Kapitalpolster hinweg. Eine Kapitalerhöhung steht trotzdem weiter im Raum.

Sen betonte jedoch, dass diese nur zur Finanzierung der erwarteten Milliardenkosten für den Atomerbe-Staatsfonds dienen würde. Trotz der neuerlichen Milliardenbelastung hält Eon-Chef Johannes Teyssen die Aufspaltung weiter für "die richtige Antwort" auf die Energiewende.

TRENDWENDE LÄSST NACH WIE VOR AUF SICH WARTEN

Allerdings muss der Konzern auch ohne Uniper weiter auf eine Trendwende warten. So sackte der operative Gewinn (Ebit) - aus dem erstmals der Beitrag der Tochter herausgerechnet ist - im ersten Halbjahr um 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 2 Milliarden Euro ab.

Hauptgrund war ein Gewinneinbruch der Atomsparte, die Eon auf politischen Druck hin nicht zu Uniper transferieren darf. Hier belasteten unter anderem die niedrigen Strompreisen. Höhere Gewinne erwirtschaftete Eon in seinen künftigen Kerngeschäftsfeldern Ökostrom und Vertrieb, während es in der Netzsparte einen Rückgang gab.

PROGNOSE STEHT

An der vorsichtigen Prognose hielt das Management fest. So soll das operative Ergebnis von pro forma 3,6 Milliarden Euro im vergangenen Jahr auf 2,7 Milliarden bis 3,1 Milliarden Euro sinken. Für den bereinigten Überschuss stellt der Vorstand 0,6 bis 1 Milliarde Euro in Aussicht, nachdem die Eon-Geschäfte im vergangenen Jahr 1,1 Milliarden Euro eingebracht hatten./enl/das/zb

(AWP)