Eon vor Uniper-Abspaltung wieder tief in den roten Zahlen

ESSEN (awp international) - Der radikale Umbau reisst den Energiekonzern Eon wieder tief in die roten Zahlen. Das Unternehmen nahm erneut milliardenschwere Abschreibungen auf seine vor der Abspaltung stehende Kraftwerks- und Handelstochter Uniper vor. Das führte zu einem Verlust im ersten Halbjahr von drei Milliarden Euro, wie Eon am Mittwoch in Essen mitteilte. Uniper soll im September an der Börse notiert werden. Bereits in den beiden Vorjahren hatte Eon im Zuge seiner Neuausrichtung hohe Abschreibungen vorgenommen und Milliardenverluste verbucht.
10.08.2016 07:50

Das Unternehmen hatte Investoren bereits im April auf neuerliche Wertberichtigungen vorbereitet. Zuletzt stand Uniper noch mit 15,5 Milliarden Euro in den Büchern. Das gilt als viel zu viel. Analysten schätzen den tatsächlichen Wert nur noch auf bis zu 5,5 Milliarden Euro. Der genaue Preis wird feststehen, wenn Uniper an die Börse geht. Dabei handelt es sich nicht um einen klassischen Börsengang, sondern eine Abspaltung vom Mutterkonzern. Deshalb bekommen Eon-Aktionäre automatisch für zehn Aktien einen Uniper-Anteilsschein. Eon selbst behält zunächst 46,65 Prozent der Anteile, die erst in einiger Zeit veräussert werden sollen.

Der Energiekonzern wartet trotz seines radikalen Umbaus weiter auf eine Trendwende. Auch ohne die vor der Abspaltung stehende Uniper sackte der operative Gewinn (Ebit) im ersten Halbjahr um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf zwei Milliarden Euro ab. Das lag im Rahmen der Erwartungen von Analysten. Hauptgrund war ein unter anderem von den niedrigen Strompreisen ausgelöster Gewinneinbruch der Atomsparte, die Eon auf politischen Druck hin nicht zu Uniper transferieren darf.

Erstmals legte der Konzern seine Zwischenbilanz in der neuen Struktur vor. Angesichts der für September geplanten Börsennotierung von Uniper wurden deren Ergebnisse nicht mehr in die operativen Kennziffern einbezogen. Höhere Gewinne erwirtschaftete Eon in seinen künftigen Kerngeschäftsfeldern Ökostrom und Vertrieb, während es in der Netzsparte einen Rückgang gab.

An der vorsichtigen Prognose hielt das Management fest. So soll das operative Ergebnis von pro forma 3,6 Milliarden Euro im vergangenen Jahr auf 2,7-3,1 Milliarden Euro sinken. Für den bereinigten Überschuss stellt der Vorstand 0,6 bis 1 Milliarde Euro in Aussicht, 2015 erwirtschafteten die Eon-Geschäfte 1,1 Milliarden./enl/stb

(AWP)