Erleichterungsrally an der Schweizer Börse nach erster Wahlrunde in Frankreich

Nach dem Sieg des EU-Befürworters Emmanuel Macron in der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen haben die Anleger an der Schweizer Börse am Montag kräftig zugegriffen.
24.04.2017 17:40

Händler sprechen von einer Erleichterungsrally, die mit grossen Umsätzen einhergehe. "Die Märkte waren vor der Wahl ja wie paralysiert. Da hat sich Einiges aufgestaut", sagt ein Händler. "Es steht einer Fortsetzung der Aktienrallye bis in das Jahr 2018 hinein nichts mehr im Wege", sagt Bill Street von State Street Global Advisors. Gefragt waren vor allem Aktien von Banken und zyklischen Firmen.

"Der Markt ist erleichtert, dass die Hängepartie der vergangenen Wochen endlich vorbei ist und dass Macron die erste Runde für sich entschieden hat", sagt ein Händler. Positiv sei auch, dass sich die Wahlprognosen als so zuverlässig erwiesen hätten.

Der SMI steigt um 1,8 Prozent auf 8711 Punkte und erreichte bei 8713 Punkte ein Jahreshoch. Der breite und dividendenbereinigte SPI steigt um 1,7 Prozent auf ein Allzeithoch bei 9814 Zählern.

Macron-Sieg wird eingepreist

Marktteilnehmer erwarteten, dass Macron auch die Stichwahl im Mai gewinnen wird. Die Märkte seien erleichtert und preisten entschieden eine Präsidentschaft unter Macron ein, sagt Patrick O'Donnell von Aberdeen Asset Management. "Und das gibt den Aktienmärkten Auftrieb", sagt ein Börsianer. Bei einem Sieg von Marine Le Pen vom EU-kritischen Front National hätten die Finanzmärkte unter Druck geraten können. Nun dürften zurückgestellte Investitionen bald nachgeholt werden.

Die Erleichterung geht auch mit einem massiven Einbruch des Volatilitätsindex einher. Das Angstbarometer der Börse sackte um mehr als ein Viertel ab. Das ist der grösste Rückgang an einem Tag seit fast zwei Jahrzehnten.

An der Spitze der Bluechips stehen die Aktien der Banken, die europaweit kräftig anzogen. Der Branchenindex legte 4,7 Prozent zu. Händler erwarten verstärkt anziehende Renditen, was die Geschäftsaussichten der Finanzindustrie merklich verbessern sollte.

Die Aktien von UBS und Credit Suisse legen 5,0 und 4,3 Prozent zu. CS schiebt einem Medienbericht zufolge ihre Entscheidung über einen möglichen Börsengang des Schweizer Geschäfts auf. Die Grossbank habe sich noch nicht festgelegt, wie sie ihren milliardenschweren Kapitalbedarf decken wolle, berichtete die "Sonntagszeitung" unter Bezugnahme auf das Umfeld von Verwaltungsratspräsident Urs Rohner. Der Entscheid werde "auf jeden Fall in den nächsten Monaten" gefällt, hiess es weiter. Ein Sprecher der Credit Suisse wollte sich zu dem Bericht nicht äussern.

Im Aufwind sind auch die Aktien der Vermögensverwalter Julius Bär und Vontobel. Die Versicherungswerte rücken um bis zu 2,5 Prozent vor.

Lafarge-Holcim-Aktie im Strudel der Chef-Demission

Zu den wenigen Werten, die zu niedrigeren Kursen gehandelt wurden, zählen Lafarge-Holcim mit minus 0,6 Prozent. Der Zementproduzent wechselt den Konzernchef aus. Eric Olsen trete Mitte Juli zurück, teilte das Unternehmen mit. Olsen habe sich in Zusammenhang mit Schutzgeldzahlungen in Syrien nichts zuschulden kommen lassen. Damit wolle er jedoch dazu beitragen, dass sich die Spannungen, die sich in letzter Zeit rund um den Syrien-Fall entwickelt hätten, legen, erklärt der Manager in der Mitteilung. Ab Mitte Juli werde Verwaltungsratspräsident Beat Hess das Unternehmen interimistisch führen, ein Nachfolger für Olsen wird gesucht. "Das gegenwärtige Management-Vakuum dürfte die ohnehin schon ambitiösen Ziele um zwölf Monate zurückwerfen," erklärt Bernstein-Analyst Phil Roseberg. Die Suche nach einem neuen, wohl von aussen kommenden CEO und mögliche strategische Korrekturen kosteten Zeit.

Dagegen waren andere zyklische Werte stark gefragt. Die Aktien von ABB, Clariant, Geberit und Adecco rücken um bis zu 3,5 Prozent vor.

Devensive Werte wenig gefragt

Eher vernachlässigt wurden Anlagen, die wegen der Unsicherheit in Zusammenhang mit den französischen Wahlen als sicherer Hafen angelaufen wurden: Die schwergewichtigen und als krisenresistent geltenden Titel der Pharmakonzerne Novartis und Roche sowie des Lebensmittelriese Nestlé ziehen 1 bis 2 Prozent an.

Unter Druck stehen auch der Franken und die Anleihen der Eidgenossenschaft sowie der Goldkurs.

Rege gesucht waren einzelne Nebenwerte aus dem Industriebereich. Dazu zählen Siegfried, Bucher, Temenos, Gurit und Autoneum.

(Reuters)