Ethiopian Airlines stellt sich hinter Boeing

Nach dem Absturz einer Boeing-Maschine in Äthiopien hat Ethiopian Airlines dem US-Flugzeughersteller Unterstützung zugesagt. "Lasst mich ganz klar sagen: Ethiopian Airlines glaubt an Boeing", teilte der Chef der Fluggesellschaft, Tewolde GebreMariam, am Montag mit. Boeing kommt derweil mit seinem Update für das umstrittene Steuerungsprogramm MCAS offenbar voran - am Mittwoch soll eine grössere Informationsveranstaltung dazu stattfinden.
25.03.2019 17:05

Tewolde geht davon aus, dass das Programm auch beim Absturz des Ethiopian-Flugs aktiviert gewesen ist. Das MCAS-System sei "nach unserem besten Wissen" eingeschaltet gewesen, sagte der Ethiopian-Chef im Interview mit dem "Wall Street Journal".

Damit bestätigte zum ersten Mal ein hochrangiger Vertreter mit tieferen Einblicken in die Aufarbeitung des Unglücks, bei dem am 10. März 157 Menschen ums Leben kamen, diesen schwerwiegenden Verdacht.

Das MCAS-System soll bereits beim Absturz einer baugleichen Boeing 737 Max 8 in Indonesien eine wesentliche Rolle gespielt haben, bei dem Ende Oktober 189 Menschen starben. Laut Unfallermittlern drückte der Bordcomputer die Nase des Jets automatisch immer wieder nach unten, während die Crew versucht habe, sie nach oben zu steuern. Eigentlich war bereits zum Jahresende mit einem Update des Programms gerechnet worden.

Erste Auswertungen von Flugdaten hatten bereits ergeben, dass es bei den Abstürzen "klare Ähnlichkeiten" gegeben habe, Details wurden bislang aber noch nicht geliefert. Bis zur genauen Klärung der Ursachen wurden fast weltweit Startverbote für Boeings 737-Max-Serie angeordnet.

Boeing und die US-Luftaufsichtsbehörde FAA stehen wegen der Zulassung des Flugzeugtyps inzwischen massiv in der Kritik. Die FAA wird verdächtigt, bei der Zertifizierung ein Auge zugedrückt zu haben. Boeing soll Airlines unzureichend informiert und sicherheitsrelevante Features als kostenpflichtige Zusatzoptionen verkauft haben.

Ausreichend trainiert

Ethiopian Airlines will Boeing indes trotz des Unglücks verbunden bleiben, hiess es im Statement von Unternehmenschef Tewolde. Er wiederholte zudem, dass die Piloten von Ethiopian Airlines ausreichend für das Fliegen mit der Unglücksmaschine Boeing 737 Max 8 geschult gewesen seien.

Die Fluggesellschaft sei die einzige in Afrika und eine der wenigen auf der Welt, die einen vollständigen Flugsimulator für die Boeing 737 Max habe.

Einige Medien, darunter die "New York Times", hatten zuvor berichtet, der Pilot der Absturzmaschine soll kein Training oder kein ausreichendes Training am Flugsimulator für die Boeing 737 Max 8 absolviert haben.

(AWP)

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