EU-Automarkt wächst Ende 2016 langsamer - Skepsis für 2017

(Ausführliche Fassung) - Zum Ende eines guten Jahres hat die Dynamik im europäischen Automarkt deutlich nachgelassen. Im Dezember wurden in der EU noch 3 Prozent mehr Fahrzeuge zugelassen als ein Jahr zuvor, wie der europäische Branchenverband Acea am Dienstag in Brüssel mitteilte. Damit hat sich die Wachstumsrate im Vergleich zum Gesamtjahr mehr als halbiert.
17.01.2017 12:29

Besserung ist Experten zufolge kaum in Sicht: 2017 sollte das Marktwachstum in der EU sowie in den Ländern der Europäischen Freihandelsassoziation (Efta) - Island, Liechtenstein, Norwegen und Schweiz - mit 3 Prozent ähnlich schwach ausfallen wie im Dezember, schreibt Analyst Christian Ludwig vom Düsseldorfer Bankhaus Lampe in einer neuen Studie. Zurückhaltend äusserte sich auch Peter Fuss, Partner bei der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY). Er rechnet mit einem EU-weiten Wachstum von 3 bis 4 Prozent.

Grund zur Freude hatten die europäischen Hersteller 2016 vor allem in Italien und Spanien, wo die Zahl der Neuzulassungen um 15,8 und 10,9 Prozent anzogen. Die EY-Experten sehen als Grund dafür Aufholeffekte nach mehreren Krisenjahren.

Im Vergleich dazu lahmte das Kaufinteresse in Deutschland und Frankreich etwas: Hier stand ein Anstieg der Zulassungen von jeweils rund 5 Prozent zu Buche. Die EY-Experten sprachen dennoch von einem erfreulichen Trend. Sie hoben hervor, dass der Neuwagenmarkt in Deutschland den höchsten Stand seit dem Jahr 2009 erreicht habe. Damals hatte die staatliche Abwrackprämie einen Verkaufsboom ausgelöst. Eine "bemerkenswerte Dynamik" habe zudem der osteuropäische Markt mit Wachstumsraten von 25 Prozent in Ungarn und 17 Prozent in Polen gezeigt.

Schwächer fiel das Plus in Grossbritannien aus. Hier sorgte die Unsicherheit wegen des geplanten Austritts des Landes aus der EU im Dezember sogar für einen moderaten Rückgang der Neuzulassungen.

Bei den Autobauern glänzten 2016 die deutschen Premium-Hersteller Daimler und BMW sowie Branchenkollege Renault aus Frankreich mit zweistelligen Wachstumsraten. Daimler habe zum Jahresende hin von seinem jungen Produktportfolio profitiert, betonte Lampe-Experte Ludwig.

Beim problemgebeutelten Weltmarktführer Volkswagen (VW) reichte es lediglich für ein Absatzplus von dreieinhalb Prozent - und das auch nur dank der Töchter Audi und Porsche sowie Skoda und Seat. Die Kernmarke VW zollte dem Abgasskandal indes mit einem Absatzrückgang um ein halbes Prozent Tribut./gl/stw/stb

(AWP)