EU-Kommission will Gebühren bei Nicht-Euro-Währungen senken

Die EU-Kommission will Banken dazu verpflichten, die Gebühren für grenzüberschreitende Überweisungen in Nicht-Euro-Länder zu senken. Für Konsumenten ungünstige "Gebührenpraktiken" sollen abgeschafft werden, heisst es in einem "Aktionsplan zu Finanzdienstleistungen für Verbraucher", den die EU-Kommission am Donnerstag in Brüssel vorstellte.
23.03.2017 16:09

Darin sind zahlreiche Massnahmen vorgesehen, die Konsumenten die Nutzung von Finanzdienstleistungen in der Europäischen Union erleichtern sollen.

Teilweise würden bei Auslandsüberweisungen hohe Gebühren fällig, heisst es in dem Papier. Banken in Rumänien und Bulgarien - beide Länder gehören nicht der Währungsgemeinschaft an - könnten demnach zwischen 15 und 30 Euro Gebühren für eine grenzüberschreitende Überweisung im Wert von 100 Euro erheben. Diese Kosten müssten sinken.

Die Kosten für grenzüberschreitende Euro-Überweisungen sind bereits gesetzlich gedeckelt: Sie dürfen nicht mehr kosten als Inlands-Überweisungen. In Schweden, das den Euro noch nicht eingeführt hat, gilt derselbe Gebührensatz wie für Inlandsüberweisungen, ob in Euro oder in Kronen. Die Kommission will einen entsprechenden Gesetzentwurf vorlegen. Ein konkretes Datum nannte sie aber nicht.

Der Aktionsplan sieht zudem vor, die Wechselgebühren etwa von Onlineshops oder Hotels transparenter zu machen. Die erhobenen Gebühren fallen demnach oft höher aus als bei einer Abhebung in der Fremdwährung mit der Bankkarte. Einen echten Wettbewerb gebe es in der Branche nicht, bemängelte die EU-Behörde, da Konsumenten die nötigen Informationen fehlten.

STANDARDS FÜR DIE BONITÄTSPRÜFUNG

Die Kommission will ausserdem EU-einheitliche Standards für die Bonitätsprüfung bei der Vergabe von Privatkrediten setzen. Darüber hinaus soll der Austausch von Daten zwischen verschiedenen Kreditregistern erleichtert werden. Bis 2019 soll eine entsprechende Empfehlung oder Leitlinie folgen.

Auch bei Versicherungen sieht der Plan Änderungen vor. Schadensfreiheit beim Autofahren ist bei der Höhe der Versicherungssumme massgeblich. Wenn Konsumenten zu einem anderen Anbieter wechseln, spiegelt sich diese aber oft nicht in der Höhe der Prämie wieder. Die EU-Kommission will nun prüfen, inwiefern Schadensfreiheitsrabatte EU-weit geltend gemacht werden können.

Bei einem Unfall im EU-Ausland ist bereits festgelegt, dass Geschädigte einen Schadensersatz- beziehungsweise Schmerzensgeldanspruch haben. Eine EU-weite Regelung im Fall einer Insolvenz des zuständigen Versicherers gibt es bislang jedoch nicht. Die EU-Kommission kündigte an, zu untersuchen, wie Unfallopfer auch in solchen Situationen entschädigt werden können.

Änderungen soll es zudem bei der Autovermietung geben. Im Januar hatte die EU-Kommission bereits mit den fünf grössten Anbietern in der Europäischen Union - Avis, Europcar, Enterprise, Hertz und Sixt - eine transparentere Preispolitik und Informationen über die Deckung der Versicherung im Schadensfall durchgesetzt. Diese will die Behörde nun auf den übrigen Markt ausweiten.

Ob von den geplanten Neuerungen auch die Schweiz betroffen sein wird, ist unklar. Das Staatssekretariat für internationale Finanzfragen SIF kann dazu zurzeit noch keine Einschätzung abgeben.

(AWP)