EU-Kommission will Mega-Fusionsvorhaben in der Chemiebranche separat untersuchen

FRANKFURT (awp international) - Die EU-Kommission wird die wettbewerbsrechtliche Untersuchung der Mega-Fusionsvorhaben in der Chemiebranche getrennt vornehmen. "Eine Kombination der Prüfungen von Monsanto/Bayer und Dow/Dupont wird es nicht geben", sagte EU-Kommissarin Margrethe Vestager der "Börsen-Zeitung" (Donnerstag). Dabei gelte: Wer zuerst melde, werde zuerst geprüft. Der Dax -Konzern Bayer und der US-Saatgutspezialist Monsanto hätten ihre Pläne noch nicht angemeldet.
06.10.2016 10:39

Erst vor rund drei Wochen hatte Monsanto dem Kauf durch Bayer für 66 Milliarden US-Dollar inklusive Schulden zugestimmt und damit einen monatelangen Poker beendet. Die Monsanto-Aktionäre und die Behörden in zahlreichen Ländern rund um den Globus müssen dem Deal noch zustimmen. Die Übernahme würde Bayer mit einem Schlag zur weltweiten Nummer eins bei Saatgut und Pflanzenschutzmitteln machen. Der Abschluss der Transaktion wird Ende 2017 erwartet.

Die Megaübernahme stösst nicht nur auf Zustimmung. So forderten Umweltschützer und Hilfsorganisationen die Kartellbehörden zuletzt auf, die Hochzeit der beiden Giganten zu verhindern. Monsanto, Syngenta , Bayer, Dupont , Dow Chemical und BASF kontrollierten schon heute 75 Prozent des globalen Agrarchemiemarktes und mehr als 60 Prozent des Saatgutmarktes, hiess es von den Kritikern. Monsanto steht auch wegen seiner gentechnisch veränderten Produkte und wegen des umstrittenen Pestizids Glyphosat immer wieder in der Kritik.

"Unsere Entscheidungen gründen sich auf Fakten", sagte Vestager dem Blatt. "Wir werden eine Marktanalyse berücksichtigen, die sich mit den Folgen eines solchen Zusammenschlusses für die Landwirte beschäftigt." Für die Kommission komme es darauf an, die Auswahlmöglichkeiten für die Landwirte, die Vorteile des Wettbewerbs und die Innovationsfähigkeit der ganzen Branche zu sichern. Zumal es hier um einen Bereich gehe, der auf eine grosse Zahl von Verbrauchern Auswirkungen habe.

Bayer und Monsanto stehen mit ihrem Mega-Deal nicht allein. So hatten zuletzt die US-Behörden die geplante Milliarden-Übernahme des Schweizer Agrarchemie-Konzerns Syngenta durch das chinesische Staatsunternehmen ChemChina genehmigt. Im vorigen Dezember hatten ausserdem Dow Chemical und Dupont ihren Zusammenschluss angekündigt./jha/enl/stb

(AWP)