Evolva baut im Ausland gegen 80 Stellen ab - Abgänge im Topmanagement

(Zusammenfassung) - Das defizitäre Biotechunternehmen Evolva zieht die Reissleine und baut im Ausland gegen 80 Stellen ab. Im Gegenzug soll der Standort im Baselbieter Reinach gestärkt werden. Auch im obersten Management kommt es zu Abgängen. Analysten erwarten nun in Bälde Angaben zur kommerziellen Strategie und zur Finanzierung.
30.08.2017 13:30

Den Stellenabbau plant das Unternehmen an seinen Standorten in Dänemark, in den USA und in Indien, wie ein Firmensprecher am Mittwoch sagte. Unter dem Strich soll der Stellenbestand von derzeit 178 auf rund 100 gesenkt werden.

Gleichzeitig will das neue Management um Konzernchef Simon Waddington die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten am Hauptsitz in Reinach konzentrieren, wie es in einer Mitteilung heisst. Ein Teil der ausländischen Angestellten soll deshalb in Reinach weiterbeschäftigt werden. Dort hat Evolva aktuell 55 Arbeitsplätze.

MILLIONENSCHWERE EINSPARUNGEN

Um die Kosten zu drücken, will das Unternehmen zudem weniger in die Forschung investieren und stattdessen verstärkt auf das Vermarkten bereits entwickelter Produkte setzen. Weiter sieht die Restrukturierung vor, die Niederlassung in Indien bis Ende Jahr in eine unabhängige Forschungs- und Entwicklungsgruppe auszugliedern.

Mit den Massnahmen will das Unternehmen, das seit Jahren rote Zahlen schreibt, den Sprung in die Gewinnzone schaffen. Die jährlichen Betriebskosten sollen um rund 30% oder 11 Mio CHF gedrückt werden. Die Einsparungen werden im zweiten Quartal 2018 wirksam.

Gleichzeitig wird die Restrukturierung das Ergebnis 2017 vorerst mit rund 5 Mio CHF belasten. Die Investitionen für die Zentralisierung werden auf rund 1 Mio CHF geschätzt, wobei diese Summe grösstenteils im vierten Quartal 2017 verbucht werde.

SESSELRÜCKEN IN DER TEPPICHETAGE

Evolva wies Mitte August einen Halbjahresverlust von 20,3 Mio CHF aus. Für das laufende Jahr rechnet Evolva derweil mit einer Verdreifachung des Produktumsatzes gegenüber dem Vorjahr. Diese Prognose verändert sich durch die Restrukturierung nicht, wie es heisst. 2016 war der Umsatz um 28% auf 9,6 Mio CHF gesunken.

Auch im Top-Management hat der Umbau Konsequenzen. So kommt es in der Geschäftsleitung bis Ende Jahr zu drei Abgängen. So verlassen Chief Business Officer Pascal Longchamp, Chief Scientific Officer Jørgen Hansen und Indienchef Panchapagesa Murali das Unternehmen. Anfang Juli hatte das Unternehmen bereits den Abgang des langjährigen Chefs und Mitgründers Neil Goldsmith bekannt gegeben.

DREI SCHLÜSSELPRODUKTE

Das Unternehmen hat derzeit drei Schlüsselprodukte, die mittels Hefefermentation hergestellt werden: Bereits als Duft- und Geschmacksstoff verkauft wird Nootkaton, ein Inhaltsstoff von Zitrusfrüchten, der nach Grapefruit riecht. Derzeit arbeitet Evolva an der Zulassung des Stoffs zur Schädlingsbekämpfung.

Auch Reservatrol, das in Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt wird, ist bereits auf dem Markt. Die grössten Hoffnungen setzt Evolva aber in den Stevia-Süssstoff Eversweet, dessen Markteinführung in Zusammenarbeit mit dem US-Unternehmen Cargill im kommenden Jahr geplant ist.

ANALYST NICHT ÜBERRASCHT

Vor rund zwei Wochen hatte das Unternehmen angekündigt, dass die Strategie auf den Prüfstand gestellt worden sei. Sein vornehmliches Ziel sei es, die Produktumsätze "aggressiv und profitabel zu steigern", um bald eine schwarze Null zu sehen, kündigte der CEO damals an.

Die jetzigen Massnahmen kommen daher für Analysten nicht überraschend. Nach der Ernennung des neuen CEO sei dies der zweite notwendige Schritt, um das Unternehmen zu sanieren, schreibt der Experte von Vontobel. Der nächste Schritt sei ein Update zur kommerziellen Strategie und zur benötigten Finanzierung. Er geht von einer Kapitalerhöhung in der Grössenordnung von 60 Mio CHF aus.

An der Börse notieren die Evolva-Papiere kurz nach Mittag in einem anziehenden Gesamtmarkt einen Rappen tiefer, was einem Minus von 2,4% entspricht.

rw/cp

(AWP)