Evolva stellt Strategie auf den Prüfstand - Zahlen unter Erwartungen

(Zusammenfassung mit Schlusskurs ergänzt) - Bei der in den Bereichen Gesundheits-, Ernährungs- und Wellness-Produkte aktiven Evolva stehen die Zeichen auf Veränderung. Wie der seit Juli amtierende CEO Simon Waddington am Montag auf der Medienkonferenz anlässlich der Halbjahreszahlen ankündigt, werde man die bisherige Ausrichtung von Evolva strategisch überprüfen. Ziel sei es, Produktumsätze deutlich zu steigern und die schwarze Null (Break-Even) zügig zu erreichen.
14.08.2017 17:58

"Diese Überprüfung ist der nächste logische Schritt in der Transformation, die nicht zuletzt durch den Führungswechsel gestartet wurde", erklärt der Manager vor Journalisten und Analysten. Gleichzeitig macht Waddington klar, dass Evolva selbst voraussichtlich nicht gross in die Produktion einstiegen werde. "Vielmehr sind wir auf der Suche nach starken Partnern, die das wirklich gut können." Dies begründet der CEO damit, dass eine eigene Produktionslinie zu zeit- und kostenintensiv wäre.

Konkret betrifft dies zunächst den ursprünglich geplanten Bau einer eigenen Bioprozesstechnikanlage auf dem Campus des US-Partners Cargill. Dies werde voraussichtlich nicht passieren, so Waddington.

PRODUKTUMSÄTZE SOLLEN AGGRESSIV UND PROFITABEL WACHSEN

Sein vornehmliches Ziel sei es, die Produktumsätze "aggressiv und profitabel zu steigern", um bald eine schwarze Null zu sehen, kündigt der CEO an. Dabei werde sich Evolva vornehmlich auf seine drei Produkte Stevia, Nootkaton und Resveratrol fokussieren.

Wie CFO Oliver Walker ergänzt, werde man sich im Rahmen der strategischen Überprüfung auch mit möglichen Finanzierungsmöglichkeiten befassen. "Details können wir aber erst im Laufe des dritten Quartals geben, wenn wir unsere Strategie überarbeitet haben."

Mit den vorgelegten Zahlen hat das Unternehmen allerdings nicht gepunktet. Für die ersten sechs Monate 2017 weist Evolva einen Umsatz von 3,6 Mio CHF aus nach 3,7 Mio im Vorjahreszeitraum. Davon gingen 2,7 Mio CHF auf das Konto von Forschungs- und Meilensteinzahlungen aus Unternehmenspartnerschaften, wie das Unternehmen mitteilt. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist das ein Rückgang um 18% und auch in der zweiten Jahreshälfte dürften diese Umsätze eher rückläufig sein.

Dagegen kletterten die Produktverkäufe auf 0,9 Mio CHF nach 0,4 Mio. Sie sollen sich im Gesamtjahr gegenüber 2016 mehr als verdreifachen, kündigt der CEO an.

HÖHERE PRODUKTIONSKOSTEN

Auf Kostenseite weist Evolva einen Rückgang bei den Ausgaben für Forschung & Entwicklung auf 13,4 Mio CHF aus, nach 16,2 Mio im ersten Halbjahr 2016. Die Vertriebs- und Verwaltungskosten nahmen um 24% auf 8,9 Mio CHF zu. Die Produktionskosten haben sich auf 2,0 Mio CHF mehr als verdoppelt.

Für die Berichtsperiode weist das Unternehmen einen Verlust von 20,3 Mio CHF aus, nach einem Fehlbetrag von 18,8 Mio CHF im ersten Semester 2016.

Der Barmittelabfluss verharrte auf hohem Niveau. Zum Stichtag verfügte Evolva über liquide Mittel in Höhe von 33,8 Mio CHF. Ende 2016 lagen diese bei 47,5 Mio CHF.

MARKTEINFÜHRUNG EVERSWEET IM PLAN

Bei den einzelnen Produkten und Pipeline-Projekten laufen die Vorbereitungen für die Einführung des Süssstoffs EverSweet im Jahr 2018 nach Plan. Entsprechend dem Kommerzialisierungsplan werde EverSweet in der Produktionsstätte von Cargill in Nebraska hergestellt.

Für Nootkaton wiederum zeigt sich Evolva zuversichtlich, im zweiten Halbjahr 2018 die Zulassung als Insektenschutzmittel in den USA zu erhalten. "Wir betrachten Insektenschutzmittel der nächsten Generation (hauptsächlich gegen Zecken und Mücken) als die grösste globale kommerzielle Marktchance für Nootkaton" heisst es hierzu in der Mitteilung.

Mit Resveratrol zeigt sich das Management ebenfalls sehr zufrieden: Die Umsätze im ersten Halbjahr 2017 hätten bereits über denen aus dem gesamtjahr 2016 gelegen. Verbesserte produktionsprozesse sollten diesen Trend stützen.

Am Markt reagieren Investoren verschnupft. Bis Handelsschlus verloren die Aktien 6,5% auf 0,43 CHF zurück.

hr/cf

(AWP)