Ex-Motorenentwickler erhebt Vorwürfe gegen Audi-Chef Stadler

(Ergänzt) - Der von Audi entlassene frühere Chefentwickler von Dieselmotoren sieht sich als Bauernopfer. Audi-Vorstandschef Rupert Stadler habe ihm bei seiner Beurlaubung gesagt, "dass alles auf Druck von VW und dem VW-Aufsichtsrat geschehen ist", zitierte der Anwalt des Ingenieurs Ulrich Weiss am Dienstag vor dem Arbeitsgericht Heilbronn aus Weiss' Gesprächsprotokoll. Auf Weiss' Feststellung, man habe ihn für den Vorstand und Aufsichtsrat geopfert, habe Stadler geantwortet: "Da ist was Wahres dran."
21.02.2017 17:01

Das Unternehmen bestritt, dass Weiss den Gesprächsinhalt richtig widergegeben habe. "Wir haben auch einen Zeugen dafür", sagte ein Audi-Sprecher.

Der Entwickler geht vor Gericht gegen seine Freistellung im Zuge des Diesel-Skandals bei VW vor. Die zuständige Kammer vertagte die Verhandlung auf den 10. März. Weiss war nach der Aufdeckung der Betrugssoftware bei Dieselmotoren von Audi im November 2015 zunächst bezahlt freigestellt worden. Vor wenigen Tagen folgte nun die Kündigung. Weiss hält diese für unwirksam. "Die sollte nur dazu dienen, den Gerichtstermin heute zu verhindern", sagte sein Anwalt Hans-Georg Kauffeld. (Az.: 5 Ca 219/16).

Kauffeld zitierte auch aus internen Papieren aus einem Arbeitskreis aus dem Jahr 2012, in denen es um Schummeleien ging. Der Arbeitskreis sei Stadler unterstellt gewesen, sagte er. Damit wäre die Chefetage schon vor Jahren zumindest über erste Unsauberkeiten im Bilde gewesen.

Audi hält die Kündigung von Weiss indes für gerechtfertigt. Ein Grund für den Schritt sei gewesen, dass dieser den Vorstand bis September 2015 nicht über Manipulationen informiert habe, von denen der Ingenieur demnach wusste. Zudem wirft Audi dem Mann vor, Daten vernichtet zu haben. Weiss wies die Vorwürfe zurück.

Im September 2015 war zuerst in den USA offiziell bekanntgeworden, dass Volkswagen über Jahre ein Programm zur Manipulation von Diesel-Abgaswerten einsetzte. Neben der Kernmarke VW-Pkw sind Modelle etwa der Töchter Audi, Seat und Skoda davon betroffen. "Dieselgate" stürzte den Konzern in die schwerste Krise seiner Geschichte.

Stadler, seit 2007 Audi-Chef, ist im Zuge der Affäre zunehmend unter Druck gekommen. Nach dem Beginn des Skandals hatte schliesslich auch Audi zugeben müssen, dass in seinen grossen Sechszylinder-Dieseln Abgas-Software eingesetzt wurde, die nicht US-Vorschriften entsprach.

Nach wiederholten Vorwürfen gegen den Vorstandsvorsitzenden wehrt sich Audi nun ebenfalls. Wegen falscher Verdächtigung, Verrats von Betriebsgeheimnissen und Fälschung von Dokumenten prüft das Unternehmen eine Strafanzeige gegen Unbekannt./lan/rol/DP/stb

(AWP)