Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld steht bei Arconic unter Beschuss

(Ausführliche Fassung) - Der frühere Siemens-Chef Klaus Kleinfeld ist bei seinem aktuellen Arbeitgeber Arconic unter Druck geraten: Im ersten eigenständigen Quartal nach der Trennung vom Aluminium-Riesen Alcoa hat der US-Metallkonzern Arconic die Erwartungen der Anleger nicht erfüllen können. In den drei Monaten bis Ende Dezember fiel ein Verlust von 1,2 Milliarden Dollar (1,1 Mrd Euro) an, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Grossaktionäre fordern bereits die Absetzung des Managements um Kleinfeld. Dieser bekam nun Rückendeckung vom Verwaltungsrat.
01.02.2017 11:31

Hauptgrund für das grosse Loch in der Bilanz sind laut Arconic Sonderkosten im Zusammenhang mit der zum 1. November erfolgten Konzernaufspaltung. Die Erlöse blieben verglichen mit dem Vorjahreswert konstant bei 3,0 Milliarden Dollar. Analysten hatten mit etwas besseren Zahlen gerechnet. Die Aktie fiel nachbörslich zunächst um zwei Prozent.

Das Geschäft des Alcoa-Konzerns mit technologisch anspruchsvolleren Produkten war von der Herstellung von Rohmaterialien in die neue Gesellschaft Arconic abgespalten worden. Alcoa hatte in der Vorwoche ebenfalls einen Quartalsverlust gemeldet, der mit 125 Millionen Dollar aber deutlich geringer ausfiel. Die Erlöse waren um neun Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar gewachsen.

Arconic-Chef Kleinfeld ist nur wenige Monate nach der Aufspaltung schon angezählt, weil Grossaktionäre unzufrieden mit der Geschäftsentwicklung sind. Hedgefonds aus dem Elliott-Imperium des milliardenschweren US-Investors Paul Singer haben sich auf den deutschen Top-Manager eingeschossen, der 2008 nach seinem Ausscheiden beim Industrieriesen Siemens den Spitzenposten bei Alcoa übernommen hatte und nun Arconic führt.

Singers New Yorker Finanzfirma Elliott Management warb nach der Veröffentlichung der Arconic-Quartalszahlen in einer Präsentation für einen Management-Wechsel. Singers Hedgefonds halten nach eigenen Angaben mehr als zehn Prozent an Arconic und wollen die restlichen Aktionäre mit der Nominierung von fünf eigenen Management-Kandidaten zum Aufstand gegen die aktuelle Konzernführung bewegen.

Inzwischen reagierte der Arconic-Verwaltungsrat auf die offene Attacke und stärkte Kleinfeld den Rücken. Das Gremium stehe geschlossen hinter dem Vorstandschef, hiess es in einer Erklärung. Der Verwaltungsrat habe sich intensiv mit den Vorwürfen auseinandergesetzt und sei zu dem Schluss gekommen, dass viele davon irreführend seien oder keine Basis hätten. Das Gremium habe sich stets darum bemüht, mit Elliott konstruktiv zusammenzuarbeiten. Die Forderungen der Finanzfirma seien jedoch zerstörerisch und stünden im Widerspruch zu den Interessen aller Anteilseigner, heisst es weiter.

Am Vortag hatte bereits das "Wall Street Journal" von einer bevorstehenden Revolte gegen Kleinfeld berichtet. Es ist unklar, welchen Rückhalt der Manager bei der breiten Aktionärsbasis noch hat, die ihn während seiner acht Jahre als Alcoa-Chef zeitweise als geschickten Reformer gefeiert hatte. Der Arconic-Verwaltungsrat bezeichnete Kleinfelds Strategie indes als äusserst erfolgreich, die Gewinnspannen seien während seiner Amtszeit mehr als verdoppelt worden.

Fest steht jedoch, dass Singers Hedgefonds unangenehme Gegenspieler sind, die mit ihren aggressiven Methoden schon etlichen anderen Unternehmen und mitunter ganzen Volkswirtschaften zu schaffen machten. Elliott machte in der Vergangenheit unter anderem durch umstrittene, aber letztlich erfolgreiche Spekulationen mit Anleihen von Krisenländern wie Griechenland oder Argentinien von sich reden./hbr/DP/stk/ees/das/stb

(AWP)