Finanzgeschäfte retten Munich Re das Katastrophen-Quartal

(Ausführliche Fassung)
09.08.2016 09:29

MÜNCHEN (awp international) - Der weltgrösste Rückversicherer Munich Re ist mit dem Verkauf von Tafelsilber glimpflich durch ein Katastrophen-Quartal gekommen. Obwohl die Waldbrände in Kanada und die Erdbeben in Japan am Gewinn zehrten, verdiente der Dax-Konzern im zweiten Jahresviertel mit 974 Millionen Euro unter dem Strich überraschend nur neun Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Glück bei den Währungskursen und der Verkauf hochverzinster Anleihen verhinderten einen stärkeren Einbruch. Vorstandschef Nikolaus von Bomhard sieht den Konzern damit auf Kurs zu seinem im Mai gekappten Gewinnziel.

Am Aktienmarkt wurden die Nachrichten zunächst positiv aufgenommen. Zum Handelsstart in Frankfurt gewann die Munich-Re-Aktie am Morgen 1,9 Prozent an Wert. Analysten hatten im zweiten Quartal nur mit halb so viel Gewinn gerechnet.

WALDBRÄNDE UND ERDBEBEN

Die Naturkatastrophen des zweiten Quartals hatten es nach einem ruhigeren Start ins Jahr in sich. Allein die Waldbrände in Kanada schlugen in der Rückversicherungssparte mit rund 400 Millionen Euro zu Buche, die Erdbeben in Japan mit 85 Millionen Euro. Dennoch bezifferte die Munich Re ihre Naturkatastrophenschäden nur auf 335 Millionen Euro - weil sie im gleichen Zuge Rückstellungen für Grossschäden aus früheren Jahren auflöste. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fiel die jetzige Belastung aber immer noch 16 Mal so hoch aus.

Formal reichten die Prämieneinnahmen der Schaden- und Unfall-Rückversicherung nun aus, um die Aufwendungen für Schäden, Verwaltung und Vertrieb zu decken. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote verschlechterte sich im Jahresvergleich zwar von 93,3 auf 99,8 Prozent und blieb damit nur knapp unter der kritischen 100-Prozent-Marke. Ohne die Auflösung der Schadenreserven hätte sie die Schwelle gerissen.

GEWINNZIEL IM BLICK

Munich-Re-Chef von Bomhard, der in seinem letzten vollen Jahr an der Konzernspitze bereits eine Gewinnwarnung abgeben musste, sieht das gekappte Jahresziel nun in Reichweite. Insgesamt soll die Munich Re 2,3 Milliarden Euro verdienen, rund ein Viertel weniger als im Vorjahr. Dabei drückt die Sanierung der Erstversicherungstochter Ergo aufs Ergebnis. Im zweiten Quartal schlug sie mit 160 Millionen Euro zu Buche.

Ergo selbst rutschte mit 34 Millionen Euro in die roten Zahlen - obwohl das Unternehmen ebenso wie die Rückversicherungssparte kaum für die Unwetterschäden in Deutschland vom Mai und Juni geradestehen musste. Der seit rund elf Monaten amtierende Ergo-Chef Markus Riess will den Versicherer für die digitale Welt rüsten. Der Umbau soll bis Ende des Jahrzehnts gut eine Milliarde Euro kosten.

FINANZGESCHÄFTE ALS RETTER

Gut lief es für die Munich Re unterdessen an den Finanzmärkten. Weil der Konzern vor allem im Rückversicherungsgeschäft stärker auf Dollar und Yen als auf das britische Pfund setzte, konnte er im zweiten Quartal insgesamt Währungsgewinne von 340 Millionen Euro einstreichen. Der Verkauf von älteren, hochverzinsten Anleihen brachte dem Unternehmen rund 900 Millionen Euro.

Ein Teil dieser Gewinne kommt den Kunden in der Lebensversicherung zugute, deren Policen unter den anhaltenden Niedrigzinsen leiden. Insgesamt konnte die Munich Re ihr Kapitalanlageergebnis um neun Prozent auf 2,75 Milliarden Euro steigern./stw/jha/stb

(AWP)