Finma ändert das Kapitalregime für Behandlung von Beteiligungen bei Grossbanken

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma hat die Behandlung von Beteiligungen bei der Berechnung der Eigenmittelanforderungen der beiden Schweizer Grossbanken angepasst. Das neue Regime verbessere die Transparenz der Kapitalisierung der Stammhäuser, vereinfache die Berechnung und sei vergleichbar mit der Regelung in anderen wichtigen Rechtsräumen, schreibt die Finma am Freitag in einer Mitteilung.
27.10.2017 08:10

Im aktuellen Regime müssen die Banken den Buchwert der Beteiligungen der Stammhäuser vom harten Eigenkapital vollständig abziehen. Um eine unverhältnismässige Erfüllung der Kapitalanforderungen auf konsolidierter Ebene zu vermeiden, gewährte die Finma den Grossbanken Erleichterungen. Konkret wurde ein individuell bestimmter Anteil der Beteiligungen zu 200 Prozent risikogewichtet anstatt abgezogen.

Das aktuelle Regime mit dem vollen Abzug des Wertes von Beteiligungen sei im internationalen Vergleich eine besonders strenge Behandlung und führe zwingend zum Bedarf für bedeutende Erleichterungen, hält die Aufsicht fest. Deshalb wird das Abzugsregime und die damit einhergegangenen Erleichterungen abgeschafft.

Neu wird nach einer Übergangsperiode das Risikogewicht aller Beteiligungen mit Sitz in der Schweiz auf 250 Prozent und aller Beteiligungen mit Sitz im Ausland auf 400 Prozent festgelegt. Das neue Regime gelte für beide Grossbanken aufgrund individueller Verfügungen rückwirkend per 1. Juli 2017. Betroffen sind die Eigenmittelquoten der Stammhäuser, nicht jedoch jene auf konsolidierter Ebene.

Beide Grossbanken müssen den jeweiligen gesamten Buchwert der Schweizer und ausländischen Beteiligungen regelmässig offenlegen, um volle Transparenz zu gewährleisten, schreibt die Finma weiter.

RABATTE AUF GONE-CONCERN-KOMPONENTE ZU EINEM DRITTEL AUSGESCHÖPFT

Gleichzeitig kommuniziert die Aufsichtsbehörde die per 1. Januar 2018 für die beiden Grossbanken individuell festgelegten Rabatte auf die zusätzlich verlangten verlustabsorbierenden Mittel (Gone-Concern-Komponente). Die Finma beurteilt die Rabattfähigkeit der Grossbanken jährlich anhand von bereits vollständig umgesetzten Massnahmen. Auf Basis der bis Ende 2016 umgesetzten Massnahmen erachtet die Aufsicht die Gewährung von Rabatten als gerechtfertigt. Das zur Verfügung stehende Rabattpotential sei bei beiden Banken zu rund einem Drittel ausgeschöpft, so die Mitteilung weiter.

Die Einschätzung basiere auf den von den Banken eingerichteten modularen Konzernstrukturen und dem frühzeitigen Aufbau von verlustabsorbierendem Fremdkapital (Bail-in-Bonds). Beide Institute sind gemäss Finma derzeit damit befasst, weitere Verbesserungsmassnahmen zu implementieren, welche in den kommenden Jahren zur Neubeurteilung des Rabatts führen können.

Credit Suisse und UBS haben ihre Krisenbereitschaft mit der Ausarbeitung detaillierter Stabilisierungs- und Notfallpläne und durch die Umsetzung von entsprechenden Massnahmen stetig verbessert. Damit hätten die Institute die Grundlage geschaffen, der Finma innerhalb der gesetzlichen Frist bis 2019 umsetzbare Notfallpläne vorlegen zu können. Bis dahin bedürfe es aber weiterer Schritte. Insbesondere müssten noch bestehende finanzielle und operative Abhängigkeiten innerhalb der Konzerne reduziert werden, fordert die Finma.

gab/tp

(AWP)