Finnische Fortum greift nach Eon-Kraftwerksbeteiligung Uniper

(Ausführliche Fassung) - Nach monatelangen Spekulationen gibt es nun Gewissheit: Der Energieversorger Eon prüft den Verkauf seiner Beteiligung am Kraftwerkskonzern Uniper an den finnischen Konkurrenten Fortum . Eon sei mit dem Konzern in fortgeschrittenen Gesprächen, bestätigte das Unternehmen am Mittwoch. Die Aktien aller beteiligten Parteien sprangen in die Höhe.
20.09.2017 14:19

Eine Vereinbarung mit den Finnen könnte laut Eon noch in diesem Jahr zustande kommen. Über die Annahme eines Angebots würde Eon aber erst Anfang 2018 entscheiden. Vorgesehen sind 22 Euro pro Aktie. Das Angebot würde sich an letztlich alle Uniper-Aktionäre richten - schon rein rechtlich angesichts eines derart grossen Aktienpakets. Eon hält noch 46,65 Prozent an Uniper. Eine Mindestannahmeschwelle für das Angebot ist nicht vorgesehen.

AKTIEN-KURSE LEGEN KRÄFTIG ZU

Die Eon-Aktie gewann bis zum frühen Nachmittag 3 Prozent, Uniper sogar fast 6 Prozent auf 22,255 Euro. Damit lag der Kurs über dem anvisierten Angebotspreis. Die Aktie von Fortum, die zwischenzeitlich vom Handel ausgesetzt war, legte um fast 5 Prozent zu.

Auch die Anteilsscheine anderer Energieversorger legten zu - schon lange haben Anleger auf eine Konsolidierung der Branche gehofft, die unter den hohen Aufwendungen für den Ausbau der Erneuerbaren Energien und der Netze leidet. RWE-Aktien legten um 3 Prozent zu, die Papiere der Ökostromtochter Innogy um 1,5 Prozent. Auch hier gab es zuletzt immer wieder die Spekulation, Innogy könne den Besitzer wechseln.

VERKAUFSERLÖS FÜR EON BEI 3,8 MILLIARDEN EURO

Derzeit würden verschiedene Fragen mit den zuständigen Behörden geklärt, teilte Eon weiter mit. Einem möglichen Abschluss einer Vereinbarung müssten zudem die Gremien beider Unternehmen zustimmen.

Eon hatte im vergangenen Jahr sein Geschäft mit der konventionellen Stromerzeugung abgespalten und unter dem Namen Uniper mehrheitlich an die Börse gebracht. Eon selbst konzentriert sich nun auf Erneuerbare Energien. Zudem verbleibt das abzuwickelnde Geschäft mit Atomkraftwerken in Deutschland bei Eon.

Der Konzern hat nie einen Hehl daraus gemacht, sich auch von den restlichen Anteilen an Uniper trennen zu wollen. Aus steuerlichen Gründen will das Unternehmen dies jedoch erst 2018 tun. Dabei halten sich die Gerüchte um eine Übernahme durch Fortum bereits seit Monaten.

NEUE WACHSTUMSSTRATEGIE IM KOMMENDEN JAHR

Sollte es zu einem Verkauf kommen, würden Eon 3,8 Milliarden Euro zufliessen - das Geld kann Eon gut gebrauchen. Das Unternehmen ist aktuell noch mit fast 22 Milliarden Euro verschuldet. Der Konzern hatte im vergangenen Jahr als Folge der Energiewende in Deutschland den höchsten Verlust der Firmengeschichte verzeichnet - rund 16 Milliarden Euro. Mitte März hatte sich das Unternehmen dann über eine Kapitalerhöhung 1,3 Milliarden Euro besorgt. Die Rückzahlung von ungerechtfertigten Brennelementesteuern in Milliardenhöhe entlastete die Bilanz weiter.

Eon-Chef Johannes Teyssen hatte bei den Halbjahreszahlen im August erklärt, nun wieder mehr Spielraum für Investitionen zu haben, wobei das Wachstum aus eigener Kraft Vorrang vor möglichen kleineren Zukäufen haben soll. Bei der Vorlage der Bilanz 2017 im kommenden Jahr will der Konzernchef eine neue Wachstums- und Investitionsstrategie vorstellen./nas/she/das/jha/

(AWP)