Flaute bei Boeing und Airbus - Neue Rivalen kaum präsent

Die Flugzeugbauer Boeing und Airbus bekommen bei der Pariser Luftfahrtmesse die erwartete Auftragsflaute zu spüren. Am Mittwoch, dem dritten Messetag, gingen kaum noch Bestellungen ein. Der Fokus lag auf Neuerungen wie einem elektrischen Antrieb für Flugzeugfahrten am Boden und einem Flugdatenschreiber, der bei einem Absturz ins Meer aus dem Flugzeug geschleudert wird und langwierige Suchaktionen am Meeresboden überflüssig machen soll. Von der neuen Konkurrenz durch Flugzeugbauer aus Russland und China war auf der Messe derweil wenig zu sehen.
21.06.2017 16:42

"Niemand hat diesmal eine grosse Auftragsflut erwartet", sagte der Chef des Münchner Triebwerksbauers MTU , Reiner Winkler. Bei den modernisierten Mittelstreckenjets A320neo und Boeing 737-MAX müssten die Hersteller erst mal ihre Auftragsberge abarbeiten. Kunden haben insgesamt mehr als 8000 dieser Maschinen bestellt. MTU baut einen Teil der Antriebe für die A320neo, die unter Führung des US-Herstellers Pratt & Whitney entwickelt wurden.

Für die kaum gefragten grössten Modelle Airbus A380 und Boeing 747-8 könnten die Hersteller neue Bestellungen zwar dringend gebrauchen. Doch die von Airbus vorgestellte A380plus mit mehr Sitzplätzen und abgeknickten Flügelenden zum Spritsparen zündete bei den Kunden noch nicht.

Boeing zurrte am Mittwoch eine Bestellung der israelischen Fluggesellschaft El Al über drei Dreamliner-Langstreckenjets fest. Der Flugzeugfinanzierer ALC orderte zwölf Boeing 737-MAX. Zudem entschieden sich einige Fluglinien für die neue, gestreckte Boeing 737-MAX-10 - darunter die chinesische Xiamen Airlines, die zehn Exemplare kaufen will. Andere Boeing-Kunden orderten die Maschine ebenfalls, strichen im Gegenzug aber bestehende Aufträge für kürzere Versionen des Fliegers.

Bei Airbus bestellte die portugiesische Fluglinie Hi Fly zwei A330-Langstreckenjets. Der ungarische Billigflieger Wizz Air orderte zehn Mittelstrecken-Maschinen in der Langversion A321.

Wenig Greifbares boten die Flugzeugbauer aus Russland und China. Der russische Hersteller Irkut als auch der chinesische Comac-Konzern hatten ihre Mittelstreckenjets MS-21 und C919 im Mai zu ihren Erstflügen in die Luft geschickt. Für einen Flug vom Werk nach Le Bourget reichte es aber bei beiden noch nicht. Von der Irkut gab es nur das Cockpit im Flugsimulator und ein Modell in bequem tragbarer Grösse zu sehen. Der Messebau von Comac war am Mittwoch an allen Seiten verschlossen.

Unterdessen will Airbus die schwierige Suche nach den Flugdatenschreibern nach einem Unglück deutlich erleichtern. Ab Ende 2019 sollen Langstreckenjets des Konzerns bei einem Absturz ins Meer schwimmfähige Blackboxen ausstossen können. Die Technik stellte Airbus gemeinsam mit den Zulieferern L3 und Leonardo DRS vor. Bisher gestaltet sich die Suche nach den Flugdatenschreibern und Stimmrekordern im Meer oft sehr schwierig, zumal das Ortungssignal der Geräte nach etwa 30 Tagen verstummt.

Die neuen Blackboxen sollen gleich mehrere Verbesserungen bringen. Während Flugzeuge bisher getrennte Rekorder für Flugdaten und Sprachaufnahmen aus dem Cockpit besitzen, sollen Airbus-Jets künftig zwei Boxen haben, die beides enthalten. Zudem sollen sie Sprachaufnahmen der letzten 25 Stunden speichern. Bisher sind nur zwei Stunden gefordert. Die fest installierten Boxen sollen 90 Tage lang ein Ortungssignal abgeben.

Bei den Mittelstreckenjets der A320neo-Reihe will Airbus gleich zwei der neuen kombinierten Blackboxen einbauen. Für die Langstreckenjets wie die A330, A350 und A380 sowie die Langstreckenversion der A321neo sind je eine fixe und eine ausstossbare Box geplant. Letztere wird am Heck platziert und soll sich automatisch lösen, falls sich das Flugzeug durch einen Aufprall verformt oder zwei Meter unter Wasser sinkt./stw/jha/he

(AWP)