Fraport-Chef: Ticketpreise werden durch Air-Berlin-Pleite nicht steigen (AF)

(Ausführliche Fassung) - Fraport -Chef Stefan Schulte sieht durch die Air-Berlin-Pleite keine Trendwende bei den Ticketpreisen. "Der Wettbewerb zwischen den Fluglinien wird weiter zunehmen und Fliegen wird daher insgesamt noch günstiger, wenn der Kerosinpreis so niedrig bleibt wie er derzeit ist", sagte der Vorstandschef des Frankfurter Flughafenbetreibers dem Nachrichtenmagazin "Focus".
25.08.2017 08:12

Damit werde sich der Trend der vergangenen Jahre fortsetzen. Er bedauerte dies, da er sich leicht anziehende Preise wünschen würde. Ein "gewisser Anstieg wäre sicher sinnvoll, denn auch die Fluglinien müssen eine vernünftige Rendite erwirtschaften", sagte er. Gleiches gelte für die Flughäfen in Deutschland, von denen nur "eine Handvoll" Gewinne mache.

Das Unternehmen Fraport, dessen Hauptstandbein der grösste deutsche Flughafen in Frankfurt ist, gehört dazu. Dennoch müsse das Unternehmen die Kosten weiter senken und werde daher zum Beispiel die Digitalisierung vorantreiben. "Wir könnten zum Beispiel Drohnen zur Überwachung des Flughafen-Geländes einsetzen. Das erhöht die Sicherheit und senkt die Kosten."

"Die Digitalisierung ermöglicht es uns auch, viele Prozesse zu vereinfachen und zu beschleunigen", sagte er. "Statt einzelner Sicherheitskontrollen mit mitunter langen Warteschlagen würde ich mir kontaktlose Security-Tunnel wünschen, durch die Passagiere einfach hindurchgehen können."

Um das Geschäft weiter zu beleben, will er die Flughäfen des Konzerns zu sogenannten Eventzonen auszubauen. Er denke dabei an "multimediale Spielbereiche, Sportaktivitäten, gastronomische Angebote und anderes", sagte Schulte gegenüber Focus. Denn die Passagiere "werden die Zeit am Flughafen auch verstärkt nutzen wolle."

Er bekräftigte zudem die Anfang August leicht erhöhte Prognose für das Passagierwachstum von knapp fünf Prozent. "Und zum ersten Mal seit Jahren nehmen auch die Flugbewegungen zu", sagte er. Das Wachstum stamme überwiegend von den erfolgreichen Bestandsgesellschaften wie Lufthansa .

Aber auch mit Billigfliegern wolle Fraport weiter wachsen: "Ryanair hat genauso wie wir ein grosses Interesse daran, hier am Standort weiter zu wachsen. Daher bin ich zuversichtlich, dass Ryanair sein Angebot in den nächsten Jahren weiter ausweiten wird - ebenso wie andere." Der Ausbau des Geschäfts mit Ryanair, den sich Fraport mit Rabatten gesichert hat, belastete jüngst das Verhältnis zum langjährigen Partner Lufthansa.

Dieser forderte ebenfalls niedrigere Preise. Anfang Juli hatten sich die beiden Unternehmen wieder aufeinander zubewegt und zumindest eine erste Einigung über die künftigen Gebühren erzielt. Dies ist in den Augen von Lufthansa jedoch lediglich der Einstieg in viel weitgehendere Gespräche mit Fraport.

An der Börse hatte der Streit nicht belastet - im Gegenteil. Die Faport-Aktie war Anfang August auf den Höchstsand von 88,05 Euro gestiegen. Seitdem musste das Papier aber etwas Federn lassen. Mit einem Plus von 45 Prozent gehört die Aktie im bisherigen Jahresverlauf immer noch zu den stärksten Gewinnern im MDax . Der Börsenwert des Unternehmens, das zu 31 Prozent dem Land Hessen und 20 Prozent der Stadt Frankfurt gehört, liegt bei rund 7,5 Milliarden Euro./zb/stk/she

(AWP)