Fraport erwartet 2017 noch mehr Passagiere - Aktie verliert

(Ausführliche Fassung) - Der jüngste Passagieransturm in Frankfurt stimmt den Flughafenbetreiber Fraport jetzt auch offiziell optimistischer für das Gesamtjahr. Vorstandschef Stefan Schulte rechnet an Deutschlands grösstem Flughafen 2017 jetzt mit rund 5 Prozent auf fast 64 Millionen Fluggäste. Bisher hatte Schulte offiziell 2 bis 4 Prozent angepeilt, aber selbst schon 64 Millionen Fluggäste in Aussicht gestellt. Nach den ersten sieben Monaten steht in Frankfurt bereits ein Passagierplus von 4,5 Prozent zu Buche. Auch am gebeutelten Konzernflughafen im türkischen Antalya geht es wieder deutlich aufwärts.
03.08.2017 10:05

Am Finanzmarkt ging es für die Aktie am Morgen abwärts. Nachdem die Halbjahresbilanz und die Passagierprognose kaum Überraschungen boten, verlor das Papier knapp drei Prozent an Wert. Die Anteile waren zuletzt allerdings stark gefragt. Trotz des Verlusts nach Bekanntgabe der Zahlen, gewann das Papier im bisherigen Jahresverlauf rund 50 Prozent und ist damit der grösste Gewinner im MDax. Der Börsenwert des Unternehmens, das zu 31 Prozent dem Land Hessen und 20 Prozent der Stadt Frankfurt, hatte erst Anfang August mit 8,1 Milliarden Euro einen Rekordwert erreicht.

Seine Gewinnziele für 2017 setzte der Vorstand nicht herauf. Denn das Unternehmen muss Anlaufkosten von bis zu 15 Millionen Euro für die Flughäfen Fortaleza und Porto Allegre in Brasilien stemmen, deren Betrieb es 2018 übernimmt. Daher soll der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im laufenden Jahr weiterhin die bisher prognostizierten 980 Millionen bis 1,02 Milliarden Euro erreichen - und nicht mehr. Analysten gingen zuletzt im Schnitt von ziemlich genau einer Milliarde Euro aus.

Das deutliche Passagierwachstum sorgte im ersten Halbjahr dafür, dass Fraport seinen Umsatz um annähernd elf Prozent auf knapp 1,4 Milliarden Euro steigerte. Dazu trugen trugen auch 14 griechische Regionalflughäfen bei, die seit 11. April von Fraport geführt werden. Das Ebitda legte konzernweit um elf Prozent auf 420 Millionen Euro zu und lag damit etwas höher als von Analysten erwartet. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 128 Millionen Euro, ein Plus von 38 Prozent.

Zugute kamen Fraport auch gestiegene Erlöse aus Grundstücksverkäufen. Zudem konnte das Unternehmen dank der gestiegenen Passagierzahlen auch mehr Umsatz aus den Geschäften und Restaurants am Airport ziehen. Der Flughafenbetreiber ist an den Erlösen der Läden beteiligt. Je Passagier blieb allerdings etwas weniger bei Fraport hängen als ein Jahr zuvor. Der sogenannte Retail-Umsatz ging im ersten Halbjahr von 3,51 auf 3,49 Euro je Fluggast zurück.

Lichtblicke sieht Fraport an seinem Flughafen in Antalya an der türkischen Riviera. Nach Terroranschlägen und dem Putschversuch hatte der Airport im Gesamtjahr 2016 einen Passagierrückgang um 31 Prozent auf rund 19 Millionen Fluggäste verzeichnet. Im laufenden Jahr steht bis Ende Juli ein Plus von 37 Prozent zu Buche. Im wichtigen Ferienmonat Juli betrug das Plus sogar 64 Prozent. So reisen auch russische Urlauber wieder in die Türkei, und Fraport verzeichnete im ersten Halbjahr auch an seinem Flughafen in St. Petersburg einen kräftigen Zuwachs bei den Passagierzahlen.

Im Juli hat die deutsche Bundesregierung allerdings ihre Reisehinweise für die Türkei verschärft. Es rief Türkei-Reisende zu "erhöhter Vorsicht" auf. Grund dafür sei, dass "in einigen Fällen Deutsche von freiheitsentziehenden Massnahmen betroffen" gewesen seien, "deren Grund oder Dauer nicht nachvollziehbar war"./stw/she/zb

(AWP)