Fraport will 2017 deutlich zulegen - Billigflieger und Griechen-Deal

(Ausführliche Fassung) - Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport baut 2017 nach der jüngsten Passagierflaute auf Rückenwind durch Billigflieger wie Ryanair . Getrieben von neuen Billigangeboten und mehr klassischem Linienverkehr, solle die Zahl der Fluggäste im laufenden Jahr um 2 bis 4 Prozent steigen, kündigte Vorstandschef Stefan Schulte bei der Bilanzvorlage am Freitag in Frankfurt an. Zudem werde die Übernahme von 14 Flughäfen in Griechenland das Ergebnis befeuern. So hoch wie 2016 dürfte der Gewinn aber nicht ausfallen. Da bescherte die Entschädigung für das geplatzte Terminalprojekt in Manila Fraport ein Rekordergebnis.
17.03.2017 09:16

Die Fraport-Aktie rutschte im frühen Handel ins Minus. Die Resultate für 2016 hätten unter den Erwartungen gelegen, der Ausblick für das neue Jahr sei aber überraschend positiv, sagte ein Händler.

REKORD DANK SONDERGEWINNEN

Im abgelaufenen Jahr verdiente Fraport unter dem Strich 375 Millionen Euro und damit 36 Prozent mehr als im Vorjahr. Der operative Gewinn (Ebitda) wuchs um 24 Prozent auf den Höchstwert von 1,05 Milliarden Euro. Das lag vor allem an der Entschädigung für das Terminal in der philippinischen Hauptstadt Manila, bei dem Fraport vor vielen Jahren enteignet worden war und lange um Schadenersatz gekämpft hatte. Zudem trieb der Teilverkauf der Beteiligung am Flughafen St. Petersburg das Ergebnis nach oben. Die Aktionäre können sich auf eine Dividende von 1,50 Euro freuen, 15 Cent mehr als im Vorjahr.

Der Umsatz ging hingegen um ein halbes Prozent auf 2,6 Milliarden Euro zurück. Das lag auch daran, dass Fraport die Mehrheit an seinem Frachtabfertiger FCS abgegeben hatte. Zudem sank die Zahl der Fluggäste um 0,4 Prozent auf knapp 61 Millionen. Nach den Terroranschlägen in Europa hatten sich viele Menschen aus fernen Ländern gegen eine Reise auf den alten Kontinent entschieden. Auch den Einbruch des Türkei-Tourismus bekam der Fraport-Konzern zu spüren - nicht nur in Frankfurt, sondern vor allem am Flughafen in Antalya an der türkischen Riviera.

DIE MILLIARDE IM BLICK

Für das laufende Jahr erwartet Schulte nun einen operativen Gewinn zwischen 980 Millionen und 1,02 Milliarden Euro. Das ist zwar weniger als im Vorjahr. Rechnet man die Sondergewinne sowie Belastungen durch ein Personalstrukturprogramm heraus, hätte das Ebitda 2016 allerdings nur 853 Millionen Euro betragen und damit etwa so hoch wie 2015. Der Umsatz soll nun kräftig auf bis zu 2,9 Milliarden Euro wachsen.

Für diesen Sprung baut der Vorstand auf einen deutlichen Passagierzuwachs in Frankfurt und an den Fraport-Flughäfen im Ausland. In Frankfurt tritt zum Sommerflugplan erstmals der irische Billigflieger Ryanair an. Zum Winterflugplan will das Unternehmen sein Flugangebot ab Deutschlands grössten Flughafen dann deutlich ausweiten. Ab Mai startet auch der ungarische Billigflieger Wizz Air ab Frankfurt.

FRAPORT KÖDERT BILLIGFLIEGER

Fraport lockt die Billigflieger mit Gebührenanreizen für neue Strecken. Etablierte Airlines wettern seit Monaten gegen das neue Gebührensystem. "Wir wollen auf gleichen Strecken gleiche Konditionen", hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Donnerstag klargestellt.

Fraport rechnet zudem in den kommenden Wochen mit der ersehnten Übernahme von 14 Regionalflughäfen in Griechenland. Der Vollzug des Deals hat sich länger hingezogen als gedacht. Insgesamt ist Fraport weltweit an zehn Flughäfen aktiv, darunter das Südamerika-Drehkreuz Lima in Peru und der Flughafen Ljubljana in Slowenien.

ÜBERNAHME IN BRASILIEN

Erst am Donnerstag erhielt der Konzern den Zuschlag zum Betrieb zweier Flughäfen in Brasilien. Die Konzession für den Airport Fortaleza soll über 30 Jahre laufen, die für den Flughafen Porto Alegre über 25 Jahre. Laut Fraport belaufen sich die Gesamtkosten bei Fortaleza auf umgerechnet knapp 447 Millionen Euro und bei Porto Alegre auf gut 113 Millionen Euro. Hinzu kommt eine jährliche Umsatzabgabe. Von dem Betrieb erhofft sich Fraport für die ersten fünf Jahre einen Beitrag zum Ebitda von 350 Millionen Euro. Allerdings dürfte der Schuldenberg des Konzerns infolge des Deals um bis zu 700 Millionen Euro steigen./stw/jha/she

(AWP)