Fresenius leidet unter Euro-Stärke - Schwere Vorwürfe gegen Akorn

(Ausführliche Fassung) - Ein starker Euro und ein Gerichtsstreit mit dem US-Generikahersteller Akorn überschatten den Jahresstart beim Medizinkonzern Fresenius . Das laufende Jahr soll dessen ungeachtet den 15. Rekord in Folge bringen. Dank eines Wachstums in allen Regionen und Sparten nach drei Monaten sieht sich das Dax -Unternehmen aus Bad Homburg auf Kurs zu diesen Zielen. Auch die Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) erhofft sich ein Rekordjahr. Im frühen Handel gaben die Aktien beider Unternehmen jeweils mehr als ein Prozent nach, am Vortag waren sie allerdings auch stark gelaufen.
03.05.2018 10:21

Fresenius hatte erst vor kurzem die Milliardenübernahme von Akorn in den Vereinigten Staaten platzen lassen. Die Amerikaner, die auf die Einhaltung der Übernahmezusagen pochen, reichten daraufhin beim zuständigen Gericht im US-Bundesstaat Delaware Klage ein. Fresenius antwortete Ende April mit einer Gegenklage. Fresenius wirft Akorn darin "eklatante Verstösse" und "möglichen Betrug" vor. Der Konzern habe alarmierende Hinweise auf systematisches Fehlverhalten. So soll Akorn laut Fresenius beispielsweise an drei Standorten zehntausende nicht korrekte Medikamententests durchgeführt haben.

Konkret beschuldigt wird ein ehemaliger Top-Manager der Amerikaner. Der ehedem für das Qualitätsmanagement zuständige Manager soll seit dem Jahr 2012 wissentlich die geschönten Testergebnisse über das Antibiotikum Azithromyzin an die US-Arzneimittelbehörde FDA gesendet haben. Auch mindestens fünf andere Produkte seien betroffen. Der Name des Managers, der für Akorn noch immer als Berater tätig sein soll, wurde in den Gerichts-Unterlagen geschwärzt. Akorn wiederum habe die Vorfälle bewusst vor Fresenius verheimlichen wollen.

Ursprünglich sollte die 4,4 Milliarden Euro schwere Akorn-Übernahme die zweitgrösste in der Fresenius-Geschichte werden und die auf Flüssigmedizin spezialisierte Tochter Kabi stärken. Doch nach mehreren anonymen Hinweisen hatte Konzernchef Stephan Sturm eine Untersuchung durch externe Sachverständige eingeleitet. Auch Akorn ging den Hinweisen in einer eigenen Untersuchung nach. Fresenius liess dann den Deal platzen, weil die Nachforschungen "schwere Verstösse gegen Vorgaben der FDA zur Datenintegrität bei Akorn" zu Tage gefördert und die Amerikaner die weitere Kooperation verweigert hätten.

Der Zukauf war ohnehin umstritten, nachdem Akorn zuletzt wegen des Preisdrucks in den USA nicht die erhofften Ergebnisse geliefert hatte. Auch Vorwürfe, dass das Akorn-Management Sturm während der Verhandlungen über angebliche Gegenangebote getäuscht haben soll, standen im Raum.

Die Amerikaner argumentieren nun, dass Fresenius aus finanziellen Gründen einen Vorwand suche. Die Untersuchungen hätten keinen hinreichenden Grund für den Rückzug geliefert und keine Hinweise auf wissentlichen Betrug durch Akorn-Manager ergeben. Akorn fordert vom zuständigen Richter, Fresenius den Rückzug zu untersagen. Die Bad Homburger ihrerseits verlangen vom Gericht, sie ziehen zu lassen.

Im ersten Quartal hatte Fresenius einen Umsatzrückgang um ein Prozent auf 8,12 Milliarden Euro hinnehmen müssen. Prozentual zweistellige Zuwächse in Europa und Afrika konnten die Rückgänge vor allem in Nordamerika nicht komplett ausgleichen. Wechselkursbereinigt wäre der Erlös aber um sieben Prozent gestiegen. Auch organisch konnten alle Unternehmensbereiche und Regionen wachsen. Auch ohne Akorn sieht Fresenius vor allem die Tochter Kabi auf Kurs. Sie entwickele sich prächtig, lobte Sturm. Fresenius hatte kürzlich das Ziel untermauert, Kabi weiter zu stärken - falls möglich auch durch andere Zukäufe.

Unter dem Strich stand für den gesamten Fresenius-Konzern im Berichtszeitraum von Januar bis Ende März ein Gewinn von 450 Millionen Euro. Dies war etwas weniger als im ersten Quartal 2017, das aber durch einen positiven Sondereffekt beeinflusst war. Währungsbereinigt lag der Überschuss um sieben Prozent über dem Vorjahreswert. Das Ergebnis fiel damit in etwa so aus wie Analysten es erwartet hatten.

Seine Prognosen für das Gesamtjahr liess der Konzern unangetastet. Demnach soll der Umsatz währungsbereinigt um fünf bis acht Prozent und der Gewinn um sechs bis neun Prozent steigen. Die Fresenius-Tochter FMC hatte bereits im April ihre Umsatzprognose gekappt. Ungünstige Wechselkurse und Vorgaben des US-Gesundheitssystems hielten den Dialysespezialisten im ersten Quartal unter Druck. Wie bereits berichtet, sanken Umsatz und Ergebnis prozentual zweistellig./tav/men/zb

(AWP)