Fresenius will noch ein Stück weiter - Prognose angehoben

(Ausführliche Fassung.) - Der erfolgsverwöhnte Medizinkonzern Fresenius traut sich nach einem unerwartet starken ersten Quartal noch mehr zu. Das Bad Homburger Dax -Unternehmen hob am Mittwoch seine Prognosen für das Jahr 2017 an und sieht sich nun gut gerüstet für seine jüngst angekündigten Übernahmen für die Flüssigmedizinsparte Kabi. Der Konzern blicke nun mit noch grösserem Optimismus nach vorn, sagte Konzernchef Stephan Sturm laut der Mitteilung vom Mittwoch. "Aus dieser Position der Stärke heraus schaffen wir mit strategisch wichtigen Zukäufen noch bessere Voraussetzungen für unseren langfristigen Erfolg."
03.05.2017 10:28

An der Börse sorgten die Fresenius-Zahlen und der neue Ausblick für Begeisterung. Die Aktie stieg im frühen Handel mit mehr als 4 Prozent Kursplus auf ein Rekordhoch bei 78,69 Euro - zuletzt betrug der Zuwachs noch 2,47 Prozent auf 77,60 Euro. Börsianer lobten neben den starken Zahlen insbesondere die angehobenen Jahresziele.

KONZERNERGEBNIS SOLL NOCH DEUTLICHER STEIGEN

Im laufenden Jahr will Fresenius sein Konzernergebnis auf vergleichbarer Basis und währungsbereinigt um 19 bis 21 Prozent steigern - bislang war ein Zuwachs um 17 bis 20 Prozent angepeilt. Im neuen Ausblick rechnen die Südhessen den erst in der vergangenen Woche bekanntgegeben milliardenschweren Zukauf des US-Generikaherstellers Akorn nicht ein. Dieser soll bis Anfang 2018 abgeschlossen sein. Ebenfalls nicht berücksichtigt ist die für die zweite Jahreshälfte beabsichtigte Übernahme des Geschäfts mit Nachahmermitteln von biopharmazeutisch hergestellten Arzneien (Biosimilars) des Darmstädter Merck-Konzerns.

Da aber Fresenius voraussichtlich noch Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Biosimilars-Geschäft stemmen muss, dürfte der Zuwachs beim Ergebnis in der ursprünglich angestrebten Bandbreite bleiben, stellte Fresenius klar. Beim Umsatz peilt Fresenius weiterhin ein währungsbereinigtes Plus von 15 bis 17 Prozent an.

UMSATZ UND GEWINN WACHSEN PROZENTUAL ZWEISTELLIG

2016 war für Fresenius das 13. Rekordjahr in Folge gewesen. Auch zum Jahresstart 2017 blieb der Konzern weiter im Aufwind, das Geschäft brummte quer durch alle Regionen und nahezu alle Unternehmensbereiche. Vom Januar bis März kletterten die Erlöse um 19 Prozent auf 8,4 Milliarden Euro. Wechselkursschwankungen herausgerechnet betrug das Plus 17 Prozent. Analysten hatten mit weniger gerechnet. Dabei konnte Fresenius aus eigener Kraft um 7 Prozent wachsen, den Löwenanteil zum Umsatzplus trug jedoch eine Vergütungsnachzahlung für die Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC ) bei.

Noch deutlichere Zuwächse verbuchte Fresenius auf der Ergebnisseite: Der um Sonderposten bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) kletterte von 959 Millionen Euro im Vorjahr auf 1,216 Milliarden Euro. Der Gewinn nach Minderheiten stieg um mehr als ein Viertel auf 457 Millionen Euro. Auch bei beiden Ergebniskennziffern hatten die Analysten im Schnitt weniger erwartet.

AUCH KABI HEBT JAHRESAUSBLICK

Mit mehr Zuversicht schaut nun auch die Flüssigmedizinsparte Kabi auf das neue Geschäftsjahr, die ihre Ergebnisziele anhob. Wechselkursschwankungen und Kosten im Zusammenhang mit Akorn und den Biosimilars herausgerechnet traut sie sich 2017 nun ein Ebit-Wachstum von 6 bis 8 Prozent zu. In der Sparte Kabi bündelt Fresenius das Geschäft mit Infusionen, flüssigen Generika und klinischer Ernährung.

Wachstumstreiber im ersten Quartal war auch die Krankenhaussparte Helios, die vor allem von der Milliarden-Übernahme der spanischen Klinikkette Quirónsalud profitierte, deren Beitrag seit Anfang Februar einberechnet wird. Vamed, ein Dienstleister für Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen, litt hingegen unter dem schwankungsanfälligen Projektgeschäft. Trotz eines Ergebniseinbruchs im ersten Quartal sieht Fresenius den Bereich aber auf Jahressicht auf Kurs.

NACHZAHLUNG IN DEN USA BEFLÜGELT FMC

Beim Dialyse-Spezialisten FMC sorgten gute Geschäfte rund um die Blutwäsche auf dem wichtigsten Markt Nordamerika, aber auch starkes Wachstum in Lateinamerika und in der Region Asien-Pazifik für Schwung. Ihren Ergebnissprung um nahezu die Hälfte hatte die Tochter aber vor allem der Vergütungsnachzahlung in Höhe von umgerechnet rund 100 Millionen Euro für die Dialysebehandlung von US-Veteranen zwischen Januar 2009 und Februar 2011 zu verdanken. FMC hatte sich im Januar in dem Vergütungsstreit geeinigt.

Die Erlöse bei FMC stiegen um 16 Prozent auf 4,548 Milliarden Euro. Das Ebit wuchs mit 31 Prozent auf 651 Millionen Euro noch stärker. Das Konzernergebnis nach Minderheiten sprang um 45 Prozent auf 308 Millionen Euro hoch. Für das laufende Jahr soll bei der Tochter der Umsatz um 8 bis 10 Prozent und das Konzernergebnis um 7 bis 9 Prozent steigen. Dabei sind Währungsschwankungen herausgerechnet./tav/mne/stb

(AWP)