Gabelstapler-Hersteller Kion baut mit Milliarden-Zukauf Geschäft aus

(Ausführliche Fassung)
21.06.2016 11:11

WIESBADEN (awp international) - Der Gabelstapler-Hersteller Kion will mit einem milliardenschweren Zukauf sein Geschäft vor allem in den USA deutlich ausbauen. Kion werde für den Automatisierungs- und Lieferkettenspezialisten Dematic abzüglich bestimmter Verbindlichkeiten voraussichtlich einen Kaufpreis von etwa 2,1 Milliarden US-Dollar (1,85 Mrd Euro) zahlen, teilte die im MDax notierte Gesellschaft am Dienstag in Wiesbaden mit. Dabei geht Kion von einem Unternehmenswert von 3,25 Milliarden Dollar aus. Genauere Details dazu nannte Kion nicht. Die Übernahme soll im vierten Quartal abgeschlossen sein.

Dematic kam mit knapp 6000 Mitarbeitern im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von rund 1,8 Milliarden Dollar, wovon 166 Millionen Dollar als bereinigter operativer Gewinn übrig blieben. Verkäufer sind die Finanzinvestoren AEA Investors und Ontario Teachers' Pension Plan. Kion selbst setzte 2015 mit rund 23 500 Mitarbeitern rund 5,1 Milliarden Euro um. Die Aktie gab im frühen Handel um gut 2,8 Prozent nach.

KAPITALERHÖHUNG GEPLANT

Der Zukauf werde zunächst durch einen Brückenkredit über drei Milliarden Euro finanziert, der von einer Gruppe von Banken fest zugesagt worden sei. Dauerhaft solle die Übernahme dann durch Eigenkapital sowie langfristige Kapitalmarktschulden und Bankenkredite refinanziert werden. Zudem plant Kion eine Kapitalerhöhung, an der auch der chinesische Grossaktionär Weichai Power teilnehmen wird. Auf der jüngsten Hauptversammlung wurde die Ausgabe von bis zu zehn Prozent neuer Aktien genehmigt.

Mit dem Zukauf verstärke sich Kion vor allem in der Logistik, sagte Unternehmenschef Gordon Riske laut Mitteilung. Wie kein anderer in der Branche könne Kion dann jeden Kunden nahtlos auf seiner Reise in Richtung Industrie 4.0 und Intralogistik 4.0 begleiten, und das weltweit. Unter Industrie 4.0 versteht man die Verzahnung der industriellen Produktion mit der Informations- und Kommunikationstechnik. Diese hält auch in der Logistik Einzug.

FRÜHER TEIL VON SIEMENS

Dematic, die 1819 gegründete wurde, ist vor allem durch Zusammenschlüsse gewachsen. So gehörte Dematic unter anderem mehr als zwei Jahrzehnte zum Mannesmann Konzern, der seine Tochter im Jahr 2000 an Siemens verkaufte. Die Münchener gliederten den Bereich ein paar Jahre später aus und veräusserten das Unternehmen an die Private-Equity-Firma Triton, die wiederum den Spezialisten für Automatisierung und Lieferketten-Optimierung an die jetzigen Eigentümer weiterverkaufte. Der Firmensitz ist in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia, die grösste deutsche Niederlassung ist im hessischen Heusenstamm./mne/nmu/stb

(AWP)