Galenica-Aktien nach Halbjahreszahlen unter Abgabedruck

Bern (awp) - Die Aktien von Galenica verlieren am Dienstag nach Publikation der Halbjahreszahlen an Wert. Die Analysten tun sich bei der Einschätzung der Zahlen allerdings schwer: Während der Umsatz sich besser als erwartet entwickelt hat, liegen die Gewinnzahlen wegen eines Bilanzierungseffekts etwas hinter den Vorgaben zurück. Kritisiert wird zudem, dass die Gruppe mit Blick auf die geplante Übernahme des US-Pharmaunternehmens Relypsa die Aktionäre bereits auf hohe Vorabkosten für die Ankurbelung der Verkäufe des Eisenpräparats Veltassa einschwört.
09.08.2016 10:45

Bis um 10.45 Uhr verlieren Galenica in einem kaum veränderten Gesamtmarkt 1,8% auf 1'255 CHF. Bislang wurden bereits knapp 12' Aktien gehandelt, während das tägliche Durchschnittsvolumen der vergangenen Wochen bei rund 21'000 lag.

Bei Analysten spricht man von "gemischten Ergebnissen", welche Galenica zum ersten Halbjahr vorgelegt hat. Zwar habe Vifor Pharma mit den Eisenprodukten Ferinject und Venofer überzeugt, dafür lägen das Roche-Medikament Mircera und der Phosphatbinder Velphoro hinter den Erwartungen zurück, meint Sibylle Bischofberger von der ZKB. Gut habe sich ausserdem der Umsatz im Apotheken- und Logistikgeschäft von Galenica Santé entwickelt.

Ähnlich tönt es bei der Bank Vontobel: So habe sich nebst Ferinject auch Venofer dank der guten Performance in den USA besser als erwartet entwickelt. Die Verkäufe mit Mircera seien dagegen eine leise Enttäuschung. Insgesamt schreibt Vontobel-Analystin Carla Bänziger aber von einer soliden operativen Entwicklung. Allerdings wird darauf hingewiesen, dass der um einen Bilanzierungseffekt bereinigte EBIT nur dank einem höher als erwartet ausgefallenen Gewinnbeitrag aus dem Bereich "Other Income" überzeugen konnte.

Für Gesprächsstoff sorgt der Ausblick für das Gesamtjahr: Zwar soll der Reingewinn der Gruppe deutlicher als erwartet um 10% ansteigen, dafür kämen hohe Kosten im Zusammenhang mit der Relypsa-Akquisition auf das Unternehmen zu, so ZKB-Analystin Bischofberger. Diese würden nun in die von den Analysten berechneten Gewinnmodelle einfliessen und zu deutlichen Schätzungsreduktionen führen. Auch Carla Bänziger wird Relypsa in die Schätzungen einfliessen lassen und überprüft sowohl das Rating "Hold" als auch das Kursziel von 1'200 CHF.

Auch bei Jerreries wird das Wachstum der Eisenprodukte positiv hervorgehoben und auf die Mircera-Enttäuschung hingewiesen. Der neu kommunizierte Ausblick zum Gewinnwachstum auf Gruppenebene liege in etwa im Rahmen der Erwartungen. Die Jefferies-Analysten erhoffen sich am Nachmittag anlässlich der Telefonkonferenz Angaben dazu, wie weit fortgeschritten die Suche nach einem neuen CEO für die Pharmasparte ist. Dies sei hinsichtlich der geplanten Teilung der Gruppe noch das letzte fehlende Puzzleteil.

Noch in dieser Woche könnte derweil der Hauptaktionär Sprint wieder Aktien verkaufen. Der Grossaktionär hatte sich bereits im Mai überraschend von einem Fünftel des Aktienpakets getrennt, was den Aktien damals starke Kursverluste bescherte. Sprint wird gerüchteweise noch immer die Absicht nachgesagt, die Beteiligung weiter reduzieren zu wollen. Das könnte auf die Kursentwicklung drücken.

mk/cf

(AWP)