GAM erleidet Rückschlag nach Suspendierung eines Investment-Managers

(Durchgehend neu und ergänzt um mehr Details und Hintergrund) - Der Vermögensverwalter GAM hat im dritten Quartal wie erwartet einen deutlichen Rückgang bei den verwalteten Vermögen erlitten. Nachdem der Investmentmanager Tim Haywood Ende Juli wegen Unstimmigkeiten suspendiert wurde, geht die Liquidierung der betroffenen Fonds im laufenden Quartal weiter. CEO Alexander Friedman spricht von einem klaren Rückschlag.
23.10.2018 09:27

Die verwalteten Vermögen fielen per Ende September auf 146,1 Milliarden Franken nach 163,8 Milliarden per Ende Juni und damit noch stärker als von Analysten im Vorfeld erwartet (AWP-Konsens: 154,0 Mrd). Die Vermögen der sogenannten ARBF-Strategie, die nach dem Stichtag liquidiert wurden oder in den kommenden Monaten noch liquidiert werden, wurden bereits ausgeklammert, wie der Asset Manager am Dienstag mitteilte.

Wegen Unregelmässigkeiten im Risikomanagement und bei der Dokumentierung war Haywood Ende Juli suspendiert worden. Dieser war für die Absolute-Return-Bond-Strategie mit uneingeschränktem Anlageansatz (ARBF) zuständig. Die betroffenen Fonds wurden zwei Tage nach seiner Suspendierung vom Handel ausgesetzt und werden derzeit liquidiert.

Abfluss von 15,8 Milliarden

Insgesamt entfielen 10,9 Milliarden vom Rückgang der verwalteten Vermögen auf die ausgesetzte Strategie, wobei auch die Vermögen berücksichtigt sind, die erst nachfolgend liquidiert wurden oder noch liquidiert werden und zwar 1,9 Milliarden in Fonds und 0,4 Milliarden in Mandaten. Vermögen in Fonds von 5,4 Milliarden wurden bereits bis Ende September liquidiert.

Die Nettoneugeld-Abflüsse weist GAM für das dritte Quartal mit 8,1 Milliarden Franken aus. Mit den 7,7 Milliarden im ARBF-Portfolio, die bereits liquidiert wurden oder noch liquidiert werden, ergeben sich damit 15,8 Milliarden.

Im Bereich Investment Management allein betrachtet wurden Ende September in der Höhe von 66,8 Milliarden verwaltet nach 84,4 Milliarden per Ende Juni. Neben den grossen negativen Auswirkungen aus der ARBF-Strategie belasteten noch weitere 5,3 Milliarden Nettoabflüsse aus anderen Strategien sowie negative Wechselkurs- und Marktbewegungen. Die Kunden seien im dritten Quartal nach wie vor risikoavers gewesen, hiess es.

Im laufenden Quartal macht GAM jedoch eine Entspannung aus: Die Nettoabflüsse hätten im Oktober bis dato nachgelassen, so die Aussage. Schadensbegrenzung ist angesagt: Alle Teams bei GAM konzentrierten sich auf die Zusammenarbeit mit ihren Kunden.

Im zweiten Bereich Private Labelling, das Fondsdienstleistungen für Dritte anbietet, lagen die verwalteten Vermögen bei 79,3 Milliarden nach 79,4 Milliarden. Nettozuflüsse von 0,4 Milliarden Franken im Quartal und positive Markteffekte standen negativen Wechselkurseffekten (-0,5 Mrd) gegenüber.

Strategie-Update angekündigt

"Die Folgen der Suspendierung eines ARBF-Investment-Directors waren ein klarer Rückschlag für GAM", liess sich CEO Alexander Friedman zitieren. Man sei dran, "unmittelbare und zeitnahe Massnahmen umzusetzen, um die Profitabilität zu unterstützen". GAM habe Massnahmen identifiziert, um "flexibler" zu werden. Dabei geht es um Kosten, Höhe und Timing von Investitionen und Effizienzsteigerung.

Ausserdem bestätigte Präsident Hugh Scott-Barret: "Wie bereits im August erwähnt, werden wir weiterhin alle Optionen überprüfen, um den Shareholder Value zu optimieren." Spätestens bis zur Veröffentlichung des Jahresergebnisses am 21. Februar 2019 soll es ein Strategie-Update geben.

Auch das Marktumfeld bleibt anspruchsvoll: Die anspruchsvolleren Marktbedingungen seit dem zweiten Quartal dürften sich auch im vierten Quartal fortsetzen, hiess es.

ys/rw

(AWP)