GAM mit Einbruch des operativen Reingewinns - Restrukturierung geht weiter

(Durchgehend neu und ergänzt) - GAM hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Die performanceabhängigen Erträge des Vermögensverwalters sind 2016 radikal eingebrochen. Allerdings schreitet die Restrukturierung voran und zeigt erste Früchte.
02.03.2017 09:25

"Wir verzeichneten Nettoabflüsse für das Geschäftsjahr und erwirtschafteten sehr niedrige performanceabhängige Erträge", lässt sich CEO Alexander Friedman am Donnerstag in der Mitteilung zitieren. Beides werde mit strategischen Initiativen angegangen, "von denen viele nun langsam Früchte tragen". Auch der Fokus auf Kostendisziplin halte an.

Der Betriebsertrag sank im Jahresvergleich um 20% auf 478,60 Mio CHF. Der Erfolg aus dem Dienstleistungs- und Kommissionsgeschäft ging um 21% auf 473,5 Mio zurück, hauptsächlich infolge der wesentlich niedrigeren performanceabhängigen Erträge. Diese sanken drastisch auf 3,0 Mio nach 82,8 Mio CHF im Vorjahr. Die Strategien, die in der Vergangenheit erheblich zu den performanceabhängigen Erträgen beitrugen, hätten unter den irrationalen und stark miteinander korrelierenden Märkten gelitten.

Gleichzeitig ging der Geschäftsaufwand um 11% auf 358,5 Mio CHF zurück, wobei sich der Personalaufwand um 15% auf 246,2 Mio reduzierte. Die Mitarbeiterzahl ging per Ende 2016 auf 979 zurück von 1'074 Stellen.

STABILE DIVIDENDE

Das bereinigte - von GAM selbst als "operativer Konzerngewinn" bezeichnete - Ergebnis ging im vergangenen Jahr um 41% auf 94,2 Mio CHF zurück. Analysten hatten im Vorfeld allerdings durchschnittlich einen grösseren Absturz auf 82,4 Mio erwartet. Und der Konzerngewinn nach IFRS lag zudem lediglich 3% unter dem Vorjahr bei 134,3 Mio CHF. Dabei wirkte sich ein "nicht wiederkehrender Steuerposten" von +27,8 Mio massgeblich positiv aus, wie den Zahlen zu entnehmen ist.

Den Aktionären soll eine unveränderte Dividende von 0,65 CHF je Aktie ausgeschüttet werden. Der Verwaltungsrat beabsichtigt zudem, ein neues Aktienrückkaufprogramm einzurichten, nachdem das derzeitige Programm am 28. April 2017 ausläuft.

Das Institut verzeichnete in der Berichtsperiode einen Nettoneugeldabfluss von insgesamt 6,4 Mrd CHF, was sich aus einem Rückgang von 10,7 Mrd CHF in der Division Investment Management und einem Nettozufluss von 4,3 Mrd in Private Labelling zusammensetzt. Unsicherheit und häufige Volatilitätsspitzen hätten sich insbesondere auf Mittelflüsse über Finanzintermediäre ausgewirkt.

Die Kundenvermögen lagen indes per Ende Jahr bei 120,7 Mrd nach 119,1 Mrd Ende September 2016. Mit dem Nettoneugeldabfluss und den Kundengeldern liegt GAM damit in etwa im Rahmen der Schätzungen (-6,9 Mrd; 120,1 Mrd).

ABSCHIED VON JULIUS-BÄR-MARKE

Die bereits eingeleitete Restrukturierung bei GAM geht derweil weiter. Die Anlageperformance soll verbessert werden sowie die Produktepalette und der Vertrieb. Gleichzeitig gilt strikte Kostenkontrolle, und die Effizienz soll weiter gesteigert werden. Für 2016 habe die Gruppe Kosteneinsparungen "bei Weitem" über den Vorgaben erzielt.

Weiter gab GAM bekannt, die Lizenz für die Verwendung der Marke Julius Bär zur Vermarktung von Investmentfonds gekündigt zu haben. Im Rahmen des Lizenzvertrags, den die Gesellschaft am Tag der Abspaltung von Julius Bär 2009 abgeschlossen hatte, zahlte sie eine umsatzabhängige Gebühr, um den Übergang zu einer unabhängigen Asset-Management-Gruppe zu unterstützen.

Die Vereinbarung markiere den letzten Schritt der strategischen Initiative zur Reduktion der Markenkomplexität, so Friedman. Man könne nun "in unsere einheitliche Marke investieren". Die Kündigungsvereinbarung beinhaltet eine Einmalzahlung von Bär in Höhe von 4,15 Mio CHF sowie den Verzicht auf Lizenzgebühren von rund 9,6 Mio CHF für den Zeitraum vom vierten Quartal 2015 bis Ende 2016.

DE GIER GEHT

Zudem wird sich VRP Johannes de Gier an der bevorstehenden Generalversammlung Ende April nicht zur Wiederwahl stellen. Er tritt in den Ruhestand. Dieser Schritt erfolge im Einklang mit einer vom Verwaltungsrat langfristig geplanten Nachfolgelösung, heisst es in einer separaten Mitteilung von GAM. De Gier ist seit 2002 Präsident des Verwaltungsrats der GAM Holding und ihrer Vorgängereinheiten. Er war nach der Abspaltung von Bär zunächst sowohl Chairman als auch CEO. Seit 2013 konzentriert er sich auf die Arbeit im Verwaltungsrat.

Der GAM-Aktionär RBR hatte zuvor den Austausch von de Gier gefordert. Die namentlichen Vorschläge wurden indes nicht berücksichtigt. Der Verwaltungsrat schlägt vor, Hugh Scott-Barrett, seit 2009 Vorsitzender des Audit Committee, als VR zu bestätigen und ihn zum Präsidenten des Gremiums zu wählen. Zudem sollen Diego du Monceau, Nancy Mistretta, Ezra Field und Benjamin Meuli ebenfalls wiedergewählt werden. David Jacob wird als neues Mitglied nominiert.

Mit Blick auf das laufende Jahr heisst es, das Marktumfeld werde auch 2017 von politischer Ungewissheit geprägt bleiben. Die Mittelfristziele wurden indes bestätigt.

ys/dm

(AWP)