GAM treibt Restrukturierung voran - Operativer Reingewinn eingebrochen

(Zusammenfassung) - Der Asset Manager GAM hat sich im schwierigen Geschäftsjahr 2016 besser behauptet als noch zuletzt am Markt erwartet. Dennoch lag die Profitabilität operativ schlussendlich deutlich unter dem Vorjahr. Allerdings schreitet die Restrukturierung voran und zeigt erste Früchte.
02.03.2017 13:25

Enttäuschend seien die Nettoabflüsse im vergangenen Jahr gewesen sowie die sehr niedrigen performanceabhängigen Erträge, sagte CEO Alexander Friedman vor Analysten und Journalisten am Donnerstag. Die strategischen Initiativen, mit denen man gegen die Probleme angehen will, würden allerdings "nun langsam Früchte tragen".

2016 hat sich GAM neu positioniert und will Anlageperformance, Produktpalette sowie Vertrieb verbessern. So wurden etwa weitere 25 Fonds entweder zusammengeführt oder geschlossen - nach 41 Fonds im Vorjahr. Auch sollte die Markenkomplexität weiter reduziert werden. Da hinein spielt die jetzt angekündigte Aufkündigung des Lizenzvertrags für die Marke Julius Bär. GAM war 2009 aus der grossen Zürcher Privatbank hervorgegangen.

Ebenfalls im Fokus bleiben die Ausgaben. Bis 2017 sollen die Fixkosten um weitere 30 Mio CHF gesenkt werden, nachdem vergangenes Jahr 16 Mio CHF eingespart werden konnten. Die Mitarbeiterzahl ging per Ende 2016 um 8,8% auf 979 zurück, und der Personalaufwand reduzierte sich um 15%. Während all der Turbulenzen sei es aber nicht zu einem Verlust von guten Leuten, das gehalten werden soll, gekommen, wie Friedman im Interview mit AWP am Rande der Bilanzmedienkonferenz sagte.

HOHER NEUGELDABFLUSS

GAM machen schwierige Marktbedingungen angesichts sowohl politischer als auch ökonomischer Unsicherheit und der daraus folgenden Risikoaversion der Kunden zu schaffen. Von "irrationalen und stark miteinander korrelierenden Märkten" ist am Donnerstag die Rede. Der erlittene Nettoneugeldabfluss fiel mit 6,4 Mrd CHF mehr oder weniger im Rahmen der Schätzungen aus. Unsicherheit und häufige Volatilitätsspitzen hätten sich insbesondere auf Mittelflüsse über Finanzintermediäre ausgewirkt, so GAM.

Die performanceabhängigen Erträge sanken drastisch auf 3,0 Mio nach 82,8 Mio CHF im Vorjahr. Insgesamt gab der Betriebsertrag von GAM um einen Fünftel auf 478,60 Mio CHF nach.

Daher ging das bereinigte - von GAM selbst als "operativer Konzerngewinn" bezeichnete - Ergebnis 2016 um 41% auf 94,2 Mio CHF zurück. Analysten hatten im Vorfeld allerdings einen grösseren Absturz erwartet, nachdem die Gesellschaft selbst im Oktober 2016 eine deutlich tiefere Profitabilität in Aussicht gestellt hatte.

Unter dem Strich lag der Konzerngewinn nach IFRS lediglich 3% unter dem Vorjahr bei 134,3 Mio CHF. Dabei war ein positiver Steuereffekt massgeblich, der durch den Merger von drei Rechtseinheiten entstanden ist, wie Finanzchef Richard McNamara erklärte. Die Aktionäre sollen eine stabile Dividende von 65 Rappen je Aktie erhalten. Der Verwaltungsrat beabsichtigt zudem, ein neues Aktienrückkaufprogramm zu starten, wenn das derzeitige Programm Ende April ausläuft.

BÄR-ERBSCHAFT DE GIER GEHT

Der langjährige Präsident des Verwaltungsrats, Johannes de Gier, geht derweil in den Ruhestand. Der 72-Jährige war seit 2002 VRP der GAM Holding sowie der Vorgängereinheiten. Er war nach der Abspaltung von Bär zunächst sowohl Chairman als auch CEO. 2013 beschränkte er sich dann auf die Arbeit im Verwaltungsrat.

Erst diese Woche hatte der Aktionär RBR den Austausch von de Gier gefordert: Die Aktionärsgruppe schlug mit Kasia Robinski eine Externe als Präsidentin vor. Nominiert wurde nun allerdings Hugh Scott-Barrett, seit 2009 Vorsitzender des Audit Committee. Einzig neuer Mitgliedskandidat ist David Jacob.

Mit Blick auf das laufende Jahr heisst es, das Marktumfeld werde auch 2017 von politischer Ungewissheit geprägt bleiben. Die Marktbedingungen hätten sich aber bereits Mitte 2016 bereits etwas entspannt. Friedman verwies gegenüber AWP vor allem auf eine Normalisierung der Geldpolitik, aber auch auf eine Konjunkturerholung.

An der Börse gewinnen GAM gegen 12.40 Uhr 3,7% auf 11,20 CHF, während der SPI 0,5% zulegt. Bereits am Montag, als das Traktandierungsbegehren von RBR eingetrudelt war, stiegen die Titel an die 10%. 2016 waren sie um 30% eingebrochen.

ys/ra

(AWP)